04.07.2021

Militärpfarrer: Seelsorge ist wichtig für Soldaten

Jörg Nielsen
epd

Faßberg, Mazar-i-Sharif (epd). Die Militärseelsorge in Afghanistan hat sich nach Einschätzung des letzten deutschen Militärpfarrers am Hindukusch, Stephan Schmid, in den vergangenen 20 Jahren deutlich verändert. Während die Soldatinnen und Soldaten vor zehn Jahren noch fast täglich in Gefechte mit Toten und Verletzten verwickelt gewesen seien und er als Pastor auf viele Krisensituationen reagieren musste, sei die Situation zuletzt fast wie in einer normalen Ortsgemeinde gewesen, sagte der evangelische Theologe im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Schmid kehrte bereits Anfang Juni aus Mazar-i-Sharif ins heimische Faßberg bei Celle in Niedersachsen zurück. Die letzten deutschen Soldaten trafen am Mittwoch (30. Juni) in Deutschland ein. Der 60-Jährige ist ein erfahrener Militärseelsorger: 2011 und 2014 war er bereits für je vier Monate in Afghanistan. Außerdem begleitete er als Pastor Soldaten in Mali, Jordanien, im Kosovo und in der Türkei.

Im deutschen „Camp Marmal“ habe die Kirche eine wichtige Rolle insbesondere für die jüngeren Männer und Frauen gespielt, sagte Schmid. „Für viele Soldaten ist es selbstverständlich, zum Pfarrer zu gehen, wenn die Seele wehtut.“ In den Gesprächen sei es oft um Beziehungsprobleme gegangen. „Sei es untereinander oder auch mit dem Freund oder der Freundin zu Hause in Deutschland.“ Wenn die Freundin per Handy um eine „Beziehungspause“ bitte oder gar gleich Schluss mache, „dann ist bei den jungen Leuten schon Not am Mann“. Bei den älteren Bundeswehr-Angehörigen sei es eher um Familienprobleme gegangen.

Es seien aber auch Soldaten zu ihm gekommen, die Probleme innerhalb der Truppe hatten. Ein junger Mann habe geklagt, dass einige seiner Kameraden in jedem Afghanen sofort einen Feind sähen. Diese Kameraden seien sehr auf den Kampf und den Krieg versessen gewesen, während dieser junge Mann tatsächlich helfen wollte und sich für die Mensch und die Kultur im Land interessiert habe, schilderte der Militärpastor.

Im Lager Marmal habe es sogar eine Art Kapelle gegeben, das „Haus Benedikt“, berichtete Schmid. Dort habe auch der sogenannte Ehrenhain gestanden, auf dem die Namen der im Einsatz gestorbenen Soldaten verzeichnet sind. Zu den Gottesdiensten am Sonntag seien zwischen 40 und 80 Personen gekommen. Das Lieblingslied der Soldaten sei „Danke für diesen guten Morgen“ gewesen. Die Kapelle samt „Ehrenhain“ sei abgerissen und in Teilen nach Deutschland transportiert worden. Sie solle im „Wald der Erinnerung“ beim Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Schwielowsee bei Potsdam wieder errichtet werden. Dort stehen auch die „Ehrenhaine“ anderer beendeter Auslandseinsätze.