27.11.2020

Workcamps „wichtiges Lernfeld für Demokratie und internationale Zusammenarbeit“

Dieter Junker
AGDF

Seit 100 Jahren kommen junge Menschen aus aller Welt in Workcamps zusammen, arbeiten gemeinsam an einem Projekt, lernen sich dabei kennen und leisten eine wichtige Friedensarbeit. Ein großes Jubiläum. Doch die große Feier in Berlin musste der Corona-Pandemie zum Opfer fallen, aber die Preisverleihung eines Fotowettbewerbs zum Jubiläum fand statt. Online, aber dennoch voller Begeisterung für eine wichtige zivilgesellschaftliche Arbeit von Jugendlichen.

„Die Workcamps mit ihrer Begegnung in internationalen Gruppen, dem zivilgesellschaftlichen und gemeinnützigen Engagement sowie die Auseinandersetzung mit aktuellen Entwicklungen und Problemen sind ein wichtiger Beitrag zu Frieden, Völkerverständigung und Solidarität“, würdigte dabei Albert Klein-Reinhardt, Referent für Europäische und Internationale Jugendpolitik im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Arbeit der Workcamps.

Zwei Jahre nach Ende des schlimmen Mordens im 1. Weltkrieg hätte es in einem kleinen Dorf in der Nähe von Verdun das erste Workcamp gegeben. „Es war ein mutiger Versuch der Versöhnung“, so Albert Klein-Reinhardt. Daraus hätte sich eine große zivilgesellschaftliche Bewegung entwickelt, in der Jugendliche wichtige Impulse für ihre weitere persönliche Arbeit erhielten. „Jugendliche formulieren hier ihre eigenen Vorstellungen und Interessen, jedes Workcamp ist eine UNO im Kleinen, ein Lernfeld für Demokratie und internationale Zusammenarbeit“, macht der Vertreter des Bundesjugendministeriums deutlich.

Doch Frieden und Freundschaft würden sich nicht vererben, sie müssten immer wieder aufs Neue erarbeitet werden, ist Albert Klein-Reinhardt überzeugt. Und angesichts neuer Herausforderungen wie Rassismus, Nationalismus, Populismus und wachsendem Hass auf Andersdenkende, aber auch Umweltzerstörung und Klimawandel sei die Arbeit der Workcamps, die internationale Begegnung von Jugendlichen und das zivilgesellschaftliche Engagement wichtiger denn je, fügt er nachdrücklich hinzu.

Die Corona-Pandemie bedeute eine große Belastung für die Workcamps, macht Albert Klein-Reinhardt aber auch deutlich. „Treffen fallen aus, Jugendliche müssen zurück in ihre Heimatländer oder können nicht ausreisen. Für die Träger bedeutet die Pandemie auch eine große finanzielle Herausforderung“, so der Referent im Jugendministerium. Doch angesichts der aktuellen Entwicklungen sei es wichtig, dass diese internationale Zusammenarbeit erhalten bleibe.

Wie lebendig, wie vielfältig, wie bunt die Arbeit in den Workcamps sei, würden aber die Bilder zeigen, die im Rahmen des Fotowettbewerbs zum Jubiläum eingereicht wurden, freut sich Albert Klein-Reinhard. „Sie dokumentieren beispielhaft und eindrücklich, wie diese internationale Jugendarbeit die Welt bewegt“, ist er überzeugt.

Den ersten Preis erhielt Ulrike Jäger von der evangelischen Jugendregion Bünde-Ost mit dem Foto „Maria Sinkewitsch beim Baueinsatz in Belarus 2019“. Seit 17 Jahren fahren hier Jugendliche in den Sommerferien nach Weißrussland, wo sie mit einheimischen Jugendlichen baufällige Häuser älterer Menschen auf dem Lande renovieren. Und so eine wichtige Versöhnungs- und Friedensarbeit leisten.

Den zweiten Platz belegte Jonas Wölfle mit dem Bild „Feierabend im botswanischen Workcamp-Building Community 2019“.  Den dritten Preis gab es für Anja Brose mit dem Bild „Teichbau 2016 im Kiez Hölzerner See“ im Naturpark Dahme-Heideseen bei Berlin. Den vierten Platz belegte das Foto von Christine Schilling „Künstlerische Gestaltung der Hobbybude im Jahr 2011“ im Kiez Hölzerner See. Auf den fünften Platz kam das Bild „Weltkuchen“ von Pablo Alejo, das eine Schwarzwälder Kirschtorte zeigt, die von Einheimischen in Schenkenzell im Schwarzwald für die Workcampteilnehmenden gebacken wurde. Und schließlich auf dem sechsten Platz landete das Bild „Workcamp mit gehörlosen Kindern in Nepal – jüngste Schülerin noch ohne Namen“ von Markus Zieringer.

„Seit mehr als 100 Jahren sind Workcamps ein wichtiges Entwicklungsfeld junger Menschen“, so Monika Volte von der Trägerkonferenz der internationalen Jugendgemeinschafts- und Jugendsozialdienste. Dies sei ein besonderes Format internationaler Jugendarbeit. Allein in Deutschland würden mehr als 300.000 Stunden an gemeinnütziger Arbeit von Freiwilligen aus aller Welt geleistet. „Schon diese Zahl zeigt, welche Dimension die Workcamps haben“, so Monika Volte.

Die Trägerkonferenz danke dem Bundesjugendministerium und der Jugendstiftung Baden-Württemberg für die Unterstützung bei diesem Fotowettbewerb und auch der Jury für die Auswahl der Siegerfotos. „Diese Fotos zeigen authentisch und emotional, was Workcamps ausmachen“, so Monika Volte.

Doch angesichts der Corona-Pandemie seien die Workcamps vor existenzielle Herausforderungen gestellt, gab sie zu bedenken. Auch wenn sich jetzt neue Formate der Jugendbegegnung durch Online-Konferenzen ergeben würden, so würde dies die persönliche Begegnung nicht ersetzen. Darum hoffe die Trägerkonferenz, dass die Arbeit der Workcamps auch weiterhin unterstützt und gefördert werde, machte Monika Volte klar. „Das Ziel unserer Arbeit ist so aktuell wir vor 100 Jahren. Es geht um mehr Verständigung und Frieden in der Welt“, betonte sie.

Die Fotos finden sich auch auf der Homepage der Workcamps: www.workcamps.de

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