21.03.2019

Von den Propheten im Wald bis zum Ostermarsch

Daniel Schneider
epd

Lindau/Nürnberg (epd). Wenn die bayerische Landessynode ab Sonntag (24.3.) in Lindau am Bodensee über das Thema "Frieden" diskutiert, sind ihre Erwartungen besonders hoch: die der Vertreter von Organisationen, die sich dem Frieden verschrieben haben. Drei von ihnen haben gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) ihre Positionen und Erwartungen an das Kirchenparlament formuliert.

Hans-Jürgen Krauß ist Geschäftsführer des Nürnberger Evangelischen Forums für den Frieden (NEFF), das sich seit 1982 für Frieden und Menschenrechte einsetzt. Er wünscht sich ein klares Statement seitens der Landessynode hin zu einer "Kirche des gerechten Friedens". Die badische Landeskirche, die einen solchen Prozess 2012 anregte, sei ein Vorbild, dem man nachfolgen solle, erklärte der Diakon im Ruhestand. Diese gab ein Grundlagenpapier heraus, im dem sie die Umwandlung der Bundeswehr in ein internationales Technisches Hilfswerk und die Konversion der Rüstungsproduktion in Deutschland fordert.

Die Reden auf der jüngsten Münchner Sicherheitskonferenz und die Erhöhung der NATO-Rüstungsausgaben um zwei Prozent seien Zeichen einer verstärkten Konfliktbereitschaft, befürchtet Krauß. Er wünscht sich von der Landessynode, dass Friede auch als weltliche Verantwortung, nicht nur als theologisch-christliches Produkt gesehen werde. Die Kirche müsse die lokalen Basisgruppen, die sich mit Frieden beschäftigen, aktiv miteinbeziehen und in ihre Strukturen einbinden.

Thomas Zeitler ist Ladenpfarrer im "LoLa", dem Eine-Welt-Laden an der Nürnberger Lorenzkirche. Für ihn hat Friede viel mit Wirtschaft und Konsum zu tun. Den Kampf um Ressourcen wie fossile Brennstoffe, den Klimawandel, die Verschwendung von Wasser und den Rückgang fruchtbarer Böden sieht er als zentrale Punkte. "Unsere Kleinbauern aus Bolivien, von denen wir unseren Kakao beziehen, sind direkt vom Klimawandel betroffen", erläutert er. 

Ändere sich das Klima, verlören sie ihre Lebensgrundlage und würden zu "Wirtschaftsflüchtlingen", sagt Zeitler. Ganze Staaten könnten destabilisiert werden. Somit sei nachhaltiges Wirtschaften aktive Kriegsprävention. Ebenso wichtig sei es, die Schöpfung zu bewahren und solidarisch mit den Benachteiligten zu sein, sagt er. "Stattdessen führen wir einen Krieg gegen unsere Erde, indem wir das ganze Ökosystem zerstören." 

Bereits jetzt komme es zu einem Generationenkampf junger Menschen um eine lebenswerte Zukunft. "Propheten unserer heutigen Gesellschaft" nennt er die Aktivisten im Hambacher Forst und die Jugendlichen, die für bessere Klimapolitik demonstrieren. Zeitler begründet sein Engagement mit den Urchristen. "So wie die Christen im Römischen Reich Widerstand gegen die Machthaber leisteten, müssen wir heute Widerstand gegen den Kapitalismus leisten", sagt er. Von der Landeskirche wünscht er sich, Vorreiter einer ökologisch und wirtschaftlich friedlicheren Welt zu sein. 

Kerstin Voges, Hochschulpfarrerin der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) Nürnberg, sieht sozialen Frieden als Schlüsselbegriff jeder Gesellschaft. Die ESG Nürnberg, gegründet 1948, stehe noch heute in der Tradition des Konziliaren Prozesses (Ökumenische Kirchentreffen seit 1983). Themen seien Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. "Wir fragen danach, wie sozial gerechtere und weniger ausgrenzende Strukturen wachsen können", erklärt Voges. "Wir versuchen, gleichberechtigte Partizipation und Begegnung auf Augenhöhe zu leben." Die Studierenden diskutierten Werte und brächten diese Diskussion auf die Straße.

Gut sichtbar würde dies am ESG-Projekt "Refukitchen". Hier kamen Studierende und Geflüchtete zum Kochen zusammen, doch schon bald entwickelten sie Workshops zu Rassismus und Diskriminierung. Ginge es nach Voges, sollte sich die Landessynode mit Fluchtursachen und Integration auseinandersetzen. Außerdem wünscht sie sich im Gegenüber zu den Hassparolen von Pegida und AfD eine neue Reflexion der Frage, was das soziale Vertrauen in der Gesellschaft fördern könnte.