06.09.2019

Hunderte Rüstungsgegner blockieren Rheinmetall-Werk in Unterlüß

epd

Unterlüß/Kr. Celle (epd). Mehrere Hundert Menschen haben am Freitag das Werksgelände der Rüstungsfabrik Rheinmetall in Unterlüß in der Lüneburger Heide blockiert. Die Aktion habe bereits am frühen Morgen begonnen, sagte ein Sprecher der Initiative "Rheinmetall entwaffnen". Etwa 300 Personen hätten sich daran beteiligt. Durch die Blockade seien zunächst der Schichtwechsel zur Frühschicht sowie An- und Auslieferungen zur und von der Fabrik unterbrochen worden, fügte der Sprecher hinzu: "Wir haben die Rheinmetall-Rüstungsproduktion für einen weiteren Tag lahmgelegt." Am Nachmittag dauerte die Protestaktion an.

Die Polizei sprach von insgesamt vier Blockaden rund um das Werksgelände mit insgesamt etwa 200 Teilnehmern. Auf einer Zufahrtstraße hätten Demonstranten ein dreibeiniges Gestell, einen sogenannten Tripod, aufgebaut. Zeitweise seien Aktivisten auf einen Strommast geklettert. Die Proteste seien weitgehend ohne Zwischenfälle verlaufen, sagte Polizeisprecher Christian Riebrandt dem Evangelischen Pressedienst (epd). Beamte hätten den Rheinmetall-Mitarbeitern den Zugang ins Werk ermöglicht. In einem Fall sei eine besetzte Schiene von Polizisten geräumt worden. Nach Angaben der Initiative "Rheinmetall entwaffnen" wurde bei dem Einsatz ein Demonstrant "schwerer" verletzt.

Rheinmetall leiste materielle Hilfe für die von Saudi-Arabien begangenen Kriegsverbrechen im Jemen und die völkerrechtswidrige Besatzung der türkischen Armee im nordsyrischen Kanton Afrin, begründeten die Aktivisten ihre Blockade. Das Unternehmen sei "mitverantwortlich für diese und viele weiteren Kriegsverbrechen". Mit der Gründung von Tochterunternehmen und Joint Ventures umgehe Rheinmetall bewusst Waffenexport-Regularien der Bundesregierung wie den aktuellen, bis Ende September geltenden Waffenexport-Stopp nach Saudi-Arabien.

In Unterlüß befindet sich nach Angaben von Friedensgruppen eine wichtige Produktionsstätte von Rheinmetall. Knapp 2.000 Menschen produzierten dort Waffen, Munition, Panzer und anderes Kriegsgerät. Die Schießanlage in Unterlüß sei das größte private Testgelände in Deutschland, hieß es.

Bereits seit Sonntag protestieren Rüstungsgegner mit einem Camp in Unterlüß gegen Rheinmetall. Dort gab es in den vergangenen Tagen Vorträge und Diskussionsveranstaltungen zum Thema Rüstungsexporte. Rund 90 Aktivisten besuchten den Standort des früheren KZ-Außenlagers Unterlüß und stellten dort einen Gedenkstein auf. Rund 900 osteuropäische Juden und Jüdinnen seien dort 1944 und 1945 inhaftiert gewesen, hieß es. Sie hätten Zwangsarbeit für Rheinmetall leisten müssen. Der Standort war ein Außenlager des Konzentrationslagers Bergen-Belsen.

Zum Abschluss der Aktionswoche ist am Sonnabend (7. September) eine Demonstration geplant, zu der zahlreiche Gruppen aufgerufen haben, darunter auch der niedersächsische Flüchtlingsrat. "Die weltweiten Kriege werden auch mit Waffen geführt, die in Niedersachsen produziert und entwickelt werden", sagte Sebastian Rose vom Flüchtlingsrat: "Und diese Waffen zwingen Menschen auf die Flucht. Aber niemand spricht darüber."