11.02.2019

Bündnis: Bundeswehr soll keine Minderjährigen rekrutieren

epd

Berlin/Duisburg (epd). Schätzungen zufolge werden weltweit rund 250.000 Mädchen und Jungen als Kindersoldaten eingesetzt. Sie werden in mindestens 19 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas in bewaffneten Konflikten zum Kämpfen gezwungen oder als Spione, Minensucher und Wachposten missbraucht, wie das Deutsche Bündnis Kindersoldaten und die Menschenrechtsorganisation terre des hommes am Montag in Berlin erklärten. Auch das UN-Kinderhilfswerk Unicef in Köln beklagte, dass weltweit Jungen und Mädchen so auf brutale Weise ihrer Kindheit beraubt würden, obwohl der Einsatz von Kindersoldaten in den meisten Ländern verboten sei. 

Mit einer Protestaktion vor dem Bundeskanzleramt machte das Bündnis, zu dem auch die in Duisburg ansässige Kindernothilfe gehört, am Montag auf die Problematik aufmerksam. Anlass war der "Red Hand Day", der Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten, am 12. Februar.

Laut Unicef hatte zuletzt in der Zentralafrikanischen Republik und der Demokratischen Republik Kongo die Neu-Rekrutierung von Kindersoldaten wieder deutlich zugenommen. In Somalia habe die Terrorgruppe Al-Shabaab 2017 mehr als 1.600 Kinder entführt. Daneben würden auch in Syrien, im Jemen, in Afghanistan, Mali und Myanmar besonders viele Jungen und Mädchen von verschiedenen Konfliktparteien für deren Zwecke missbraucht.

Kritik gab es auch an Deutschland, wo die Bundeswehr seit einigen Jahren verstärkt Minderjährige rekrutiere. So seien allein im vergangenen Jahr 1.679 Minderjährige als Soldatinnen und Soldaten angeheuert worden, erklärte das Deutsche Bündnis Kindersoldaten. Der Anteil der unter 18-Jährigen an den insgesamt 20.012 neu eingestellten Soldaten war 2018 im Vergleich zum Vorjahr von 9,1 auf 8,4 Prozent gesunken und damit erstmals seit 2013 wieder rückläufig. Insgesamt habe sich seit 2011 der Anteil der Minderjährigen in der Bundeswehr aber mehr als verdoppelt, hieß es unter Verweis auf die neue Studie "Why 18 matters" des deutschen Bündnisses und der Organisation Child Soldiers International.

Die Bundesrepublik gehöre neben den USA und Großbritannien zu den drei Industrieländern, die in großer Zahl unter 18-Jährige als Soldaten einstellen. Als große Industrienationen schwächten diese drei Länder damit den internationalen "Straight-18-Standard", der die Rekrutierung von Minderjährigen verbiete, und damit auch den Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten, sagte Rolf Willinger, Kinderrechtsexperte von terre des hommes: "Denn bewaffnete Gruppen und Armeen in Konfliktgebieten, beispielsweise in Myanmar, rechtfertigen die Rekrutierung von Kindersoldaten auch mit dem Verweis auf die Rekrutierung minderjähriger Soldaten in diesen drei Ländern."

Die Studie belegt den Angaben zufolge zudem, dass es in der Bundeswehr regelmäßig zu sexueller Gewalt und Missbrauch komme. In den Jahren 2017 und 2018 seien minderjährige oder gerade volljährig gewordene Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr von sexualisierten Ritualen, sexueller Belästigung und Vergewaltigung betroffen gewesen, hieß es. 

Innocent Opwonya, der als Zehnjähriger von einer bewaffneten Gruppe in Uganda zwangsrekrutiert wurde, betonte: "Die UN-Kinderrechtskonvention definiert ein Kind als einen Menschen unter 18 Jahren." Doch auch heute müssten Kindern in Armeen als Soldaten dienen, "selbst in der EU in Ländern wie Großbritannien, Deutschland oder Frankreich". Dies erschwere weltweit den Kampf gegen den Einsatz von Kindersoldaten sowie das Engagement für mehr Kinderschutz.  

Der "Red Hand Day" verweist auf das Inkrafttreten des Zusatzprotokolls zur Kinderrechtskonvention zu Kindern in bewaffneten Konflikten am 12. Februar 2002, das den Einsatz von unter 18-Jährigen in bewaffneten Konflikten verbietet.