08.12.2019

Afghanistan-Experte Nachtwei gegen Abzug der Bundeswehr

epd

Schwerte (epd). Winfried Nachtwei, früherer Bundestagsabgeordneter der Grünen, hat vor einem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan gewarnt. Entscheidend sei es, humanitäre Zugänge auf der "untersten Ebene" freizuhalten, sagte der Afghanistan-Experte seiner Partei am Sonntag auf einer Podiumsdiskussion der Evangelischen Akademie Villigst in Schwerte. Wenn die Taliban feststellten, dass Krankenhäuser und Schulen allen Bevölkerungsschichten nutzten, seien sie auch eher bereit, sie zu respektieren. Nachtwei erinnerte daran, dass Deutschland mit 430 Millionen Euro immer noch der zweitgrößte Geldgeber Afghanistans sei.   

Der frühere deutsche Botschafter in Kabul, Hans Ulrich Seidt, mahnte einen realistischen Blick auf die aktuelle Lage in dem Land an, in dem seit über 40 Jahren Krieg herrscht. "Es gibt keinen Friedensprozess in Afghanistan", sagte der Diplomat und wandte sich damit gegen entsprechende Interpretationen der Gespräche, die im Sommer dieses Jahres in der katarischen Hauptstadt Doha mit Vertretern der USA und den Taliban stattfanden. Mittlerweile haben die USA laut Medienberichten ihre Gespräche mit den Taliban offiziell wieder aufgenommen. 

Der Bundestag hatte im März die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes im Rahmen der Nato-geführten Mission "Resolute Support" bis Ende März 2020 beschlossen. Der Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch begann als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA. Ende Dezember 2014 wurde der Nato-Militäreinsatz beendet. Seitdem unterstützt und berät die Bundeswehr mit bis zu 1.300 Soldaten die afghanischen Sicherheitskräfte.