15.09.2017

Petra Reitz leitet als erste Frau ein evangelisches Militärdekanat

epd

Köln/Wiesbaden/Mainz/Saarbrücken (epd). Erstmals wird ein evangelisches Militärdekanat in Deutschland von einer Frau geführt: Die Theologin Petra Reitz wurde am Donnerstag im rheinisch-bergischen Rösrath als Leitende Dekanin des Militärdekanats Köln offiziell in ihr Amt eingeführt. Die 55-Jährige ist damit für die Militärseelsorge in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland zuständig. Die vier evangelischen Militärdekanate in Köln, Kiel, München und Berlin bilden die Mittelebene der evangelischen Militärseelsorge.

Im Gottesdienst zu ihrer Amtseinführung hob Reitz die Bedeutung von Verantwortung und eigenständiger Entscheidung hervor. Wo alter "Hurra-Patriotismus" ausgedient habe, sei es die Entscheidung für die Grundwerte der Demokratie und des Grundgesetzes, die Menschen in die Pflicht nehme, sagte Reitz laut Redetext vor Soldaten aus ihrem Dekanat.

Reitz erinnerte daran, dass nicht einmal die Hälfte der Bundeswehrsoldaten einer der beiden großen christlichen Kirchen angehöre. Die Zugehörigkeit zur Kirche sei kein "familiärer Selbstläufer" mehr, sondern setze eine bewusste Entscheidung voraus, sagte die Theologin. Die Kirche müsse den Mut haben und darauf vertrauen, dass sich Menschen freiwillig für sie entscheiden. "Vater Staat und Mutter Kirche" stünden hier vor ähnlichen Herausforderungen.

Petra Reitz, geboren 1961 in Witten, studierte Theologie in Bonn und war von 1993 bis 2009 Gemeindepfarrerin in Grevenbroich, bevor sie 2009 zur Militärseelsorge wechselte. Im März dieses Jahres nahm sie die Tätigkeit als Leitende Militärdekanin des Westens in Köln auf. Zur ihrem Bereich gehören 23 Militärpfarrämter in sechs Landeskirchen. Die evangelische Militärseelsorge in Deutschland leistet mit insgesamt 95 Militärpfarrern seelsorgliche Betreuung für die rund 180.000 Bundeswehrsoldaten und ihre Familien im In- und Ausland.