04.02.2017

Kirche will Seelsorge-Projekte für heimkehrende Soldaten ausbauen

epd

Frankfurt a.M. (epd). Die evangelische Militärseelsorge will ihre Seelsorge-Projekte für Soldaten, die aus Kriegseinsätzen zurückkehren, ausbauen. "Menschen sind für Kriege nicht gemacht, selbst wenn sie sich noch so hart und männlich geben - es bleibt etwas zurück", sagte der Militärbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Sigurd Rink, dem Magazin "Junge Soldaten" (Februar-Ausgabe). Derzeit würden rund 60 Seminare im Jahr angeboten für Verwundete oder Soldaten mit posttraumatischen Belastungsstörungen sowie für Hinterbliebene, Paare und Familien. 

Diese Arbeit sei so wichtig, dass sie - auch angesichts der steigenden Zahl erkrankter Einsatzrückkehrer - verstärkt werden solle, sagte Rink: "Wir müssen da nochmal Gas geben." Für das laufende Jahr sei das Budget, das für dieses Projekt bislang 306.000 Euro betrug, nahezu verdoppelt worden. Ab 2017 stünden 600.000 Euro zur Verfügung. Mehr Geld müsse aber auch in Friedensarbeit und Versöhnung fließen, betonte der Militärbischof. 

Rink rief zudem die Bundesregierung auf, den Wiederaufbau in Krisenregionen stärker voranzutreiben. "Wenn jetzt der Verteidigungshaushalt stabilisiert oder sogar erhöht wird, dann stärkt auch die Entwicklungszusammenarbeit", forderte der Theologe: "Wir haben gesehen, was passiert, wenn das nicht geschieht und die Menschen ohne Perspektive zurückbleiben - Beispiel Libyen", erklärte Rink. Das ölreiche nordafrikanische Land ist nach dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi (2011) und Kämpfen rivalisierender Milizen in Bürgerkrieg und Chaos versunken.

Kritisch äußerte sich Rink zu deutschen Waffenexporten. Die Maxime, niemals Waffen in Krisengebiete zu liefern, sei nach dem "ungeheueren Preis" im Afghanistaneinsatz aufgegeben worden, um regionale Kräfte zu stärken, sagte Rink. Er verstehe die Grundrichtung, frage sich aber, "wo sehen wir die mehr als 20.000 gelieferten Sturmgewehre wieder?" Auch bei den Kleinwaffen, bei denen Deutschland weltweit mit führend im Export sei, trage Deutschland ein hohes Maß an Verantwortung. "Bei diesen Waffenexporten habe ich wirklich Bauchschmerzen", so Rink.

Rink ist der erste hauptamtliche Militärbischof der EKD. Der frühere Propst der hessen-nassauischen Landeskirche ist seit Juli 2014 in diesem Amt.