20.02.2017

Friedensforscher: Weltweiter Waffenhandel wächst weiter

epd

Stockholm/Berlin (epd). Der weltweite Handel mit Waffen wächst weiter. Das Geschäft mit Rüstungsgütern nahm von 2012 bis 2016 um 8,4 Prozent zu verglichen mit dem Fünfjahreszeitraum davor, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri am Montag bekanntgab. Insgesamt sei dies das größte Handelsvolumen seit Ende des Kalten Krieges gewesen. Die fünf größten Exporteure waren demnach die USA, Russland, China, Frankreich und Deutschland. Zusammen stehen sie für 74 Prozent der internationalen Rüstungslieferungen. Die Käufer sitzen vor allem in Asien und dem Nahen Osten. 

"Seit den frühen 2000er Jahren haben wir einen steigenden Trend", sagte der Vorsitzende der Fachgruppe Rüstungsexporte der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE), Max Mutschler, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Konflikte im Nahen Osten aber auch in Asien hätten dazu geführt, dass die Rüstungsausgaben in diesen Regionen stiegen. 

Spitzenreiter bei den Rüstungslieferungen bleiben die USA mit einem Weltmarktanteil von 33 Prozent. Sie steigerten ihre Waffenexporte von 2012 bis 2016 im Vergleich zum Fünfjahreszeitraum davor um 21 Prozent. "Die USA exportierten Rüstungsgüter in mindestens 100 Länder, das ist deutlich mehr als jedes andere Zuliefererland", sagte Sipri-Forscherin Aude Fleurant. Fast die Hälfte der US-Exporte gingen demnach in den Nahen Osten.

Deutschland verringerte laut Sipri den Umfang seiner Rüstungsexporte in dem Fünfjahreszeitraum um 36 Prozent - trotz eines Höhepunkts 2016 und liegt mit einem Marktanteil von 5,6 Prozent auf Platz fünf der größten Exporteure. Von 2012 bis 2016 lieferte Deutschland Waffen in 60 Staaten. "Es ist unerträglich: Immer mehr deutsche Rüstungsgüter kommen in immer neuen Krisenregionen zum Einsatz und erzeugen neue Fluchtursachen", kritisierte Inge Höger, abrüstungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE.

Vor Deutschland und nach den USA liegen Russland, China und Frankreich. Mit einem Weltmarktanteil von 23 Prozent beliefert Russland hauptsächlich Indien, Vietnam, China und Algerien. Chinas Ausfuhren wuchsen um 74 Prozent auf einen weltweiten Marktanteil von 6,2 Prozent. Frankreich liegt bei einem Marktanteil von sechs Prozent.

Hauptabnehmer für Militär- und Rüstungsgüter ist Indien: Von 2012 bis 2016 steigerten sich die Einfuhren um 43 Prozent. Asien und Ozeanien importierten insgesamt 43 Prozent der global gehandelten Waffen. "Da es keine regionalen Kontrollmechanismen gibt, sind die asiatischen Staaten weiterhin dabei, ihre Arsenale zu vergrößern", erklärte Sipri-Forscher Siemon Wezeman.

Im Nahen Osten wuchsen die Einfuhren in den vergangenen fünf Jahren um 86 Prozent. Dies entspricht einem Weltmarktanteil von 29 Prozent. Mit einem Einfuhrplus von 212 Prozent ist Saudi-Arabien der weltweit zweitgrößte Abnehmer von Rüstungsgütern. Die Importe des Emirats Katar schossen um 245 Prozent in die Höhe. Trotz des niedrigen Ölpreises hätten die Länder der Region 2016 weitere Waffen bestellt, die sie als wesentlich erachteten im Umgang mit Konflikten und regionalen Spannungen, erklärten die Forscher. Nach Saudi-Arabien folgten als größte Käufer die Vereinigten Arabischen Emirate, China und Algerien. In Subsahara-Afrika kauften Nigeria, der Sudan und Äthiopien die meisten Waffen ein.