21.03.2017

Bundeswehrexperte: Reformation bis heute wichtig für das Militär

Yvonne Jennerjahn
epd

Potsdam (epd). Am Potsdamer Forschungszentrum der Bundeswehr befasst sich bis Donnerstag eine Tagung mit der Bedeutung der Reformation für das Militär. Erwartet werden rund 100 Teilnehmer, hieß es beim Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr zum Start der Tagung am Dienstag. Die vor 500 Jahren von Martin Luther (1483-1546) angestoßene Reformation habe bis heute Auswirkungen auch im Alltag der Bundeswehr, sagte der leitende Wissenschaftler der Forschungseinrichtung, Michael Epkenhans, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

"Auch heute beschäftigen sich Soldatinnen und Soldaten mit der ethischen Legitimität ihrer Aufträge und reflektieren ihr Handeln in Bezug auf die Frage, ob sie gut und richtig oder falsch entschieden haben", sagte Epkenhans. Luthers Schrift "Ob Kriegsleute auch in seligem Stande sein können" werde bis heute von Soldatinnen und Soldaten gelesen und diskutiert.

Vor allem schärfe Luther den Soldatinnen und Soldaten ein, dass ihre Aufgabe darin bestehe, "Ordnung und Frieden in anarchischen und unfriedlichen Räumen herzustellen", betonte Epkenhans: "Kein Soldat soll aus Eigennutz kämpfen, sondern ausschließlich dafür, dass der bedrohte Nächste in Sicherheit sein Leben führen kann." Diese Grundüberlegungen fänden auch moderne Soldatinnen und Soldaten richtig. 

Solche Fragen hätten schon einen "Militärdienstleister" beschäftig, der einst einen Söldnertrupp in die Schlacht von Frankenhausen geführt habe, sagte Epkenhans: "Deshalb hat er sich an den Reformator Martin Luther gewandt, damit der ihm die Frage beantwortete: Kommt ein Kriegsmann in den Himmel? Und wenn ja: Wie muss er sich als guter Kriegsmann verhalten?"

Die ethische Sensibilität der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr werde mit lebenskundlichem Unterricht der evangelischen und katholischen Militärseelsorge und politischer Bildung gezielt gefördert, sagte Epkenhans: "Da werden die ethischen Fragen gestellt und diskutiert, die einen Soldaten beschäftigen können, der in seinem Beruf das Richtige tun will."

Derzeit gäben gut 30 Prozent der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr an, einer der evangelischen Landeskirchen anzugehören, fast ebenso viele zählten zur katholischen Kirche, sagte Epkenhans: "Die Zeiten, in denen insbesondere das Offizierkorps evangelisch geprägt war, sind seit einem knappen halben Jahrhundert vorbei."

Zwar habe die Reformation einst zunächst zu heftigen, auch kriegerischen Auseinandersetzungen geführt, betonte Epkenhans. Mit dem Westfälischen Frieden Mitte des 17. Jahrhunderts habe sich dann jedoch die Einsicht durchgesetzt, "dass Macht, Wahrheit und Recht voneinander unterschieden werden müssen". Die vor allem im 19. Jahrhundert insbesondere im deutschen Protestantismus entstandene nationalistische Überhöhung des eigenen Glaubens, die in den Ersten Weltkrieg gemündet habe, sei erst nach dem Zweiten Weltkrieg aufgegeben worden.