30.11.2016

„... rechtmäßig Kriege führen?“

Dieter Junker
AGDF

Dürfen Christen ohne Sünde rechtmäßig Kriege führen? Für das „Augsburger Bekenntnis“, bis heute eine der maßgeblichsten Bekenntnisschriften der lutherischen und vieler unierter Kirchen, ist die Antwort klar. Im dortigen Artikel 16 wird dem Staat das Recht eingeräumt, rechtmäßig Kriege führen und in ihnen mitstreiten zu können. Und das Augsburger Bekenntnis geht noch weiter. Denn im gleichen Artikel 16 werden auch die, die, die lehren, dass ein solches Handeln unchristlich sei, verdammt. Harte Worte, findet der katholische Theologe Dr. Thomas Nauerth: „Damit werden die nachhaltig kirchlich ausgegrenzt, die bestreiten, dass es einem Christen erlaubt sei, als Soldat tätig zu sein.“ Für ihn wäre es vielmehr an der Zeit, diesen Glaubenssatz aus der Confessio Augustana zu revidieren, fordert Nauerth in einem Impuls zum Reformationsjubiläum, den die evangelische Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden nun veröffentlichte.

Als Pazifist inzwischen in seiner eigenen Kirche durchaus anerkannt, erfahre er hier bei den evangelischen Brüdern und Schwestern Verdammung, bedauert der katholische Theologe. Schlimmer sei noch, dass im aktuellen evangelischen Gesangbuch, wohl aus ökumenischer Rücksichtnahme, die ursprünglich in diesem Artikel des Augsburger Bekenntnisses genannten „Wiedertäufer“ gestrichen wurden und in der nun veröffentlichten Form im Gesangbuch alle Pazifisten verdammt werden. Darum sei es höchste Zeit für eine Revision, betont Nauerth. Und auch für eine Entschuldigung: „Bei den Täufern, deren Nachfahren und auch bei den anderen Schwestern und Brüdern, die man einfach so für verdammt erklärt, nur weil sie das Wort im Matthäus-Evangelium bezeugen: Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen“, macht Thomas Nauerth, der als Professor für Religionspädagogik an der Universität Osnabrück tätig ist, in seinem Beitrag deutlich.

Der katholische Theologe nimmt hier eine Diskussion wieder auf, die schon seit längerer Zeit in der evangelischen Kirche schwelt. Gerade in den Landeskirchen des (DDR-) Kirchenbundes, aber auch in den EKD-Landeskirchen oder im Internationalen Versöhnungsbund gab es immer wieder, allerdings erfolglose Initiativen für eine Revision der Confessio Augustana im Artikel 16. Im Jubiläumsjahr der Reformation wird diese Debatte nun von der evangelischen Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) erneut angestoßen.

Mit ihrem am Reformationstag gestarteten Projekt „Reformation heute – Gewalt absagen und Frieden wagen“ will die AGDF einen Beitrag zum Reformationsjubiläum leisten, sich kritisch mit der reformatorischen Geschichte auseinandersetzen und dabei einen Fokus auf Gewalt und Gewaltfreiheit legen. Die Impulse, die dazu veröffentlicht werden, sollen Denkanstöße für eine weitere Diskussion sein.

Der Beitrag „Verdammt noch mal – Anmerkungen zum Augsburger Bekenntnis/Confessio Augustana“ von Dr. Thomas Nauerth findet sich auf der Homepage der AGDF (www.friedensdienst.de). Dort stehen auch die weiteren bereits erschienenen Beiträge dieses Reformationsprojektes der AGDF.