17.11.2016

Friedensdienst fordert mehr Einsatz für friedliche Konfliktlösungen

epd

Bonn (epd). Der Zivile Friedensdienst (ZFD) fordert angesichts von zahlreichen gewalttätigen Konflikten in der Welt mehr Einsatz für zivile Konfliktlösungen. Die mittlerweile 17-jährige Erfahrung der Organisation zeige, dass Frieden machbar sei, sagte der Sprecher des Konsortiums Ziviler Friedensdienst, Hans Jörg Friedrich, am Donnerstag in Bonn. "Voraussetzung dafür sind starke zivilgesellschaftliche Partner vor Ort, langfristige Perspektiven und ausreichende finanzielle Mittel."

Der von der Bundesregierung geförderte Zivile Friedensdienst feiert am kommenden Dienstag sein 17-jähriges Bestehen. Der ZFD habe sich "zu einem Erfolgsmodell für Gewaltprävention und Friedensförderung im Kontext der Entwicklungspolitik entwickelt", sagte Friedrich. Seinen Ursprung hat er in den 1990er Jahren. Als die Kriege in Jugoslawien Europa erschütterten, entstand in Deutschland - zunächst in kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Kreisen - die Idee für einen Zivilen Friedensdienst. 1999 wurde diese Idee zu einem Programm des Bundesentwicklungsministeriums sowie deutscher Friedens- und Entwicklungsorganisationen.

Den Angaben zufolge hat sich die Wirksamkeit ziviler Friedensarbeit des ZFD an vielen Beispielen bewährt: So führte die Aufarbeitung der kriegsbelasteten Vergangenheit in Guatemala dazu, dass im Frühjahr 2016 hochrangige Militärs wegen sexueller Gewalt während des Bürgerkriegs vor Gericht gestellt wurden. Im ehemaligen Jugoslawien seien aus der Traumaarbeit mit Kriegsveteranen Versöhnungsinitiativen entstanden.

Zugleich warnt der ZFD vor einer weiteren Zunahme bewaffneter Konflikte in der Welt. Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung zählte im Jahr 2015 mehr als 400 politische Konflikte, von denen 223 mit Waffengewalt ausgetragen wurden. "Wir müssen die Gewalt eindämmen und uns für friedliche und gerechte Gesellschaften einsetzen. Militärische Interventionen greifen dabei ebenso zu kurz wie schnelle Krisenreaktionen", betonte Friedrich. Gefordert sei der Ausbau friedlicher und ziviler Methoden der Konfliktbearbeitung.

Seit 1999 haben über 1.100 ZFD-Fachkräfte in mehr als 50 Ländern an friedlicher Konfliktbearbeitung mitgewirkt. Derzeit arbeiten rund 300 internationale Fachkräfte der Organisation in 43 Ländern. In diesem Jahr wurde der ZFD vom Bund mit rund 42 Millionen Euro gefördert. Im kommenden Jahr soll die Summe auf 45 Millionen Euro steigen.