05.06.2015

Südkorea - Kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung

Dieter Junker
EAK
Seungho Park und Rudi Friedrich (Connection) beim Deutschen Evangelischen Kirchentag 2015 in Stuttgart.

Dieter Junker

Kriegsdienstverweigerer haben in Südkorea keinen leichten Stand. Es gibt kein Recht auf Kriegsdienstverweigerung in diesem Land. Südkorea ist der Staat, der die meisten Kriegsdienstverweigerer weltweit inhaftiert hat. Derzeit sind etwa 700 Verweigerer im Gefängnis, in der Regel werden sie zu 18 Monaten Haft verurteilt. Auf dem Markt der Möglichkeiten beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart informierte Seungho Park von World Without War über die Situation in Südkorea.

„In Südkorea werden Kriegsdienstverweigerer verfolgt, nach dem Militärstrafrecht verurteilt und von der Gesellschaft stigmatisiert“, sagt Seungho Park. Bis 2000 seit das Thema in der südkoreanischen Öffentlichkeit nicht thematisiert worden, da nahezu alle Verweigerer Zeugen Jehovas waren und die Gesellschaft Kriegsdienstverweigerung als ein Problem eier randständigen Religionsgruppe angesehen worden sei.

Erst 2000 sei im Land eine Kriegsdienstverweigerungsbewegung entstanden, aufgrund einer Veröffentlichung in einem großen Nachrichtenmagazin sei in der Gesellschaft eine Kontroverse über diese Frage aufgebrochen, im Februar 2002 habe sich eine koreanische Solidaritätsgruppe für Kriegsdienstverweigerer gegründet, erzählte der Friedensaktivist. „Aber als wir mit dieser Kampagne begannen, hätten wir uns nicht vorstellen können, was sich an Verurteilung und Zorn gegen uns richtete“, so Park. Leute fingen Streit an, es gab heftige Kommentare im Internet, am Telefon beschwerten sich Koreaner über die Aktivisten und beschimpften sie.

Südkorea ist ein militarisiertes Land, nicht zuletzt bedingt durch die Spannungen seit dem Koreakrieg mit dem Norden, aber auch aufgrund der koreanischen Geschichte mit der japanischen Bewaffnung. „Alle, die die Militarisierung in Korea in Frage stellen, zahlen einen hohen Preis“, so Rudi Friedrich vom Netzwerk Connection, das gemeinsam mit der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) und der Ostasienmission diese Veranstaltung organisierte.

Und auch von den koreanischen Kirchen gibt es keine Hilfe. „Die Kirchen sind die größten Gegner der Kriegsdienstverweigerungsbewegung“, kritisiert Seungho Park. Dennoch konnte die Bewegung erste Erfolge erzielen. Das Strafmaß wurde mittlerweile meist auf 18 Monate reduziert, während früher bis zu drei Jahren Haft drohten. Auch die nationale Menschenrechtskommission gab der Regierung die Empfehlung, einen alternativen Dienst zum Wehrdienst einzuführen. Doch derzeit gibt es dafür keine politische Mehrheit, und auch im Parlament lehnt es die Mehrheit entschieden ab, dieses Thema auf die Tagesordnung zu setzen. Erst kürzlich sei zudem das Militärstrafgesetz verändert worden, wodurch persönliche Angaben von Wehrdienstverweigerern veröffentlicht werden dürfen, mahnte Park.

„Wir hoffen auf weitere Veränderungen in der Gesellschaft. Und mehr internationale Solidarität und Unterstützung kann diese Veränderungen möglich machen“, warb Seungho Park auf dem Kirchentag in Stuttgart.

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