04.06.2015

Bausoldaten-Film im Zentrum Frieden in Stuttgart vorgestellt

Dieter Junker
EAK

Dieter Junker

Ehem. Bausoldaten mit Julika Koch nach der Film-Vorstellung im Zentrum Frieden beim Kirchentag in Stuttgart.

Der Schweriner Bischof Andreas von Maltzahn, der letzte DDR-Verteidigungsminister Pfarrer Rainer Eppelmann, Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh oder der Liedermacher Gerhard Schöne haben eins gemeinsam: Sie waren zu DDR-Zeiten Bausoldaten, haben ihren Wehrdienst ohne Waffen abgeleistet. Im Zentrum Frieden beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart wurde nun der Dokumentarfilm „Schwerter zu Pflugscharen“ von Johannes Meier vorgestellt, der diesen Bausoldaten damit ein filmisches Denkmal setzt. Der Film wird im Sommer erscheinen, finanziell unterstützt wurde er unter anderem auch von der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK).

„Dies ist nicht nur ein Blick zurück, hier stellt sich auch die Frage, was die Bausoldaten für die heutige Zeit und auch für die Zukunft zu sagen haben “, unterstrich Julika Koch, die Referentin für Friedensbildung in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutlschland. Die Nordkirche hat diesen Film in Auftrag gegeben. „Und dies soll auch ein Beitrag zum Dialog zwischen Ost und West sein“, betonte Anne Freudenberg, die Referentin für Theologie und Nachhaltigkeit im Zentrum für Mission und Ökumene der Nordkirche. Denn oft sei gerade im Westen Deutschlands völlig unbekannt, dass es in der DDR Bausoldaten gab.

Einer von ihnen, der heutige Direktor der Evangelischen Akademie in Wittenberg, Friedrich Kramer, schilderte in Stuttgart seine Zeit als Bausoldat, aber auch die Folgen, die die evangelische Kirche in der DDR dadurch erlebte. „Alle Theologiestudenten und die meisten Beschäftigten in der Kirche verweigerten den Dienst mit der Waffe. Dies hatte Folgen auch für die Friedensarbeit im DDR-Kirchenbund“, betonte Kramer. Ähnlich beurteilt dies auch Bernd Rieche, einer der letzten DDR-Bausoldaten und heute bei der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) tätig. Damals sei die evangelische Kirche unabhängiger gewesen und habe sich eindeutiger äußern können als heute, meint er. Doch er sieht auch Parallelen. „Mein erster DDR-Kirchentag war 1987 in Ost-Berlin. Auch damals spielten im offiziellen Programm Friedensthemen nur eine nachgeordnete Rolle und wir organisierten ein eigenes Friedenszentrum. Genauso wie jetzt hier in Stuttgart in einer Kirchengemeinde“, betont er.

Für den Filmemacher Johannes Meier war dieser Film auch ein Lernprozess, erzählte er in Stuttgart. Als Westdeutscher sei er vorher mit den Bausoldaten nicht vertraut gewesen, doch es habe sich ein spannende Entwicklung während des Films ergeben. In dem Film kommen ehemalige Bausoldaten zu Wort, es gibt historische Film- und Fotoaufnahmen und der Zuschauer erhält einen eindrucksvollen Blick in diesen Teil deutscher Geschichte.

Die DDR-Führung hatte 1964 als einzigstes Warschauer-Pakt-Land die Möglichkeit einer Waffenverweigerung eingeräumt. Etwa 15.000 Männer leisteten diesen Dienst als Bausoldaten in der Nationalen Volksarmee. Viele von ihnen gehörten zu den Personen, die bei der friedlichen Revolution eine wichtige Rolle spielten. Der Theologe Martin Arnold ordnete die Geschehnisse der damaligen friedlichen Revolution in der DDR 1989 in die Theorie der Gütekraft ein. Und Friedrich Kramer meinte in Stuttgart schmunzelnd: „Gott hat dabei auch Humor bewiesen. Derjenige, der als Verteidigungs- und Abrüstungsminister die NVA auflöste, war früher Bausoldat.“