Bischof Kramer: "Wir leben in einer Weltstimmung des Egoismus"

Die Welt werde immer brutaler, auch durch den erstarkenden Rechtspopulismus, beklagt der EKD-Friedensbeauftragte. Dennoch wirbt er für das Leitbild des gerechten Friedens, auch mit Blick auf Israel. Militärisch sei der Nahostkonflikt nicht zu lösen.

Osnabrück, Paderborn (epd). Der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Friedrich Kramer, hat mit Blick auf den Nahostkonflikt für das Leitbild des gerechten Friedens geworben. Schritte hin zum Frieden seien nur möglich, wenn die Konfliktparteien vom „rein militärischen Sicherheitsdenken“ und der Logik des Aufrüstens wegkommen, sagte der mitteldeutsche Landesbischof am Freitagabend beim Ökumenischen Friedensdialog in Osnabrück zum Thema „Der Nahostkonflikt als friedensethische Herausforderung“.

„Kleine Schritte sind mühselig, aber doch so bedeutend“, sagte der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz, der auch Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax ist. Auch wenn Dialoge schwer geworden seien, so müsse behutsam versucht werden, wieder ins Gespräch zu kommen. „Mitten im Krieg, mitten in der Gewalt kann man anfangen, Friedensschritte zu gehen, die nicht wirkungslos sind. Es sind kleine Pflänzchen, die gepflegt werden müssen“, sagte der Erzbischof.

Rechtspopulismus trägt zu „Weltstimmung des Egoismus“ bei

Seit vier Jahren werde die Welt immer schwieriger und brutaler, beklagte Kramer. Viele Gesellschaften reagierten auf Krisen, indem sie Rechtspopulisten stärkten. Dies erschwere die Friedensbemühungen zusätzlich. „Wir leben in einer Weltstimmung des Egoismus, die vom Rechtspopulismus massiv forciert wird.“ Als Beispiel nannte Kramer das von US-Präsident Trump beschlossene Ende der Entwicklungsbehörde USAID. Auch Ulrich Siegmund beabsichtige, nach dem Motto „Deutschland zuerst“ kein Geld für andere Länder auszugeben. Der AfD-Politiker will sich im Dezember als Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt zur Wahl stellen.

Durch solchen Egoismus komme die Gerechtigkeit unter die Räder, warnte Kramer. „Und deswegen fordern wir als Kirchen ein, dass die deutsche Politik diesen Weg nicht mitgeht.“ Auch wenn die Visionen eines gerechten Friedens derzeit schwach seien, lasse man sich nicht entmutigen. „Wir Christen wissen: Uns ist nicht versprochen, dass es leicht wird. Aber am Ende geht es auf den Frieden zu. Und es lohnt sich nicht, die Kraft für etwas anderes einzusetzen.“

Seit 2021 laden die Deutsche Kommission Justitia et Pax und die Evangelische Friedensarbeit regelmäßig zum Friedensdialog ein. Die Veranstaltung wechselt jährlich zwischen Osnabrück und Münster, den Städten, in denen 1648 der Westfälische Friede beschlossen wurde.