Thüringens Museen kritisieren Fördereinschränkungen

Thüringens Museen schlagen Alarm. Der Freistaat fördert im Rahmen des Programms "Lernen am anderen Ort" bis Ende 2026 nur noch Fahrten zu Gedenkstätten und Erinnerungsorten. Museen befürchten Einbußen bei Eintrittsgeldern und Wissensvermittlung.

Erfurt (epd). Der Museumsverband Thüringen kritisiert die zeitweise Einschränkung der Landesförderung für Schulausflüge zu außerschulischen Lernorten. „Lernorte außerhalb der Schule sind wichtiger denn je“, sagte die Geschäftsführerin des Verbands, Claudia Kunde, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Erfurt. Der Wegfall der finanziellen Unterstützung für Museumsbesuche erschwere den Zugang zu kulturellen Bildungsangeboten und sei angesichts der Bedeutung außerschulischen Lernens kontraproduktiv.

Museumsbesuche ermöglichten es, Unterrichtsinhalte außerhalb des Klassenzimmers zu vermitteln und Wissen spielerisch erfahrbar zu machen. Solche Erfahrungen blieben häufig besser in Erinnerung, sagte Kunde. Gemeinsame Ausflüge stärkten zudem den Zusammenhalt in Schulklassen und böten Gelegenheit, sich außerhalb des regulären Unterrichts besser kennenzulernen.

Land verweist auf knappe Fördermittel wegen gestiegener Nachfrage

Auch für die Museen seien Schulklassen wichtige Besuchergruppen. Einzelne Einrichtungen hätten sich bereits an den Museumsverband gewandt, um das Thema gegenüber dem Land stärker zur Sprache zu bringen, sagte Kunde. Eine belastbare Statistik zu möglichen Rückgängen bei den Klassenbesuchen gebe es bislang nicht. Kunde betonte zugleich, dass Lehrkräfte ausreichend Zeit und organisatorische Unterstützung benötigten, um solche Besuche vor- und nachzubereiten. Außerschulische Lernangebote sollten stärker in den Schulalltag integriert werden.

Seit Juni und bis Ende des Jahres fördert Thüringen im Rahmen des Programms „Lernen am anderen Ort“ nur noch Fahrten zu Gedenkstätten und Erinnerungsorten. Für andere außerschulische Lernorte wie beispielsweise Museen sei die anteilige Kostenerstattung der Schülerkosten für 2026 zurückgestellt worden, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums dem epd in Erfurt. Auch aufgrund einer deutlich höheren Nachfrage seitens der Schulen seien die verfügbaren Fördermittel knapp geworden.

Haushaltsansatz 2026 nahezu verdoppelt

Laut dem Sprecher sind die Kosten für Beförderung sowie für die pädagogischen Angebote an den Lernorten zuletzt deutlich gestiegen. Es lasse sich derzeit noch nicht abschätzen, welche Auswirkungen das auf die Anzahl der tatsächlich durchgeführten Fahrten für den Rest des Kalenderjahres haben werde. Die Fahrten selbst könnten weiter stattfinden. Betroffen sei ausschließlich die finanzielle Unterstützung durch das Land, nicht die grundsätzliche Möglichkeit, außerschulische Lernorte zu besuchen.

Für die Förderung von Fahrten zu außerschulischen Lernorten standen 2025 rund 350.000 Euro zur Verfügung. Bewilligt wurden 280 Anträge, der Haushaltsansatz wurde nahezu vollständig ausgeschöpft. Im Jahr 2026 wurde der Haushaltsansatz auf 678.000 Euro erhöht und damit fast verdoppelt.

Förderfähig sind nach Ministeriumsangaben neben Fahrten zu Gedenkstätten und Erinnerungsorten unter anderem eintägige Besuche in Museen, Schlössern, Naturparks sowie Schülerforschungszentren im Freistaat. Anträge, die bereits vor Juni bewilligt wurden, werden weiterhin erstattet. Für 2027 werden den Angaben nach wieder Anträge ohne Einschränkung bewilligt.