Veranstalter: Westfälischer Friedenspreis für Nato setzt ein Zeichen
Die Wirtschaftliche Gesellschaft Westfalen und Lippe sieht in der Verleihung des Westfälischen Friedenpreises an die Nato ein wichtiges Signal. Der Vorsitzende Zinkann weist Kritik daran zurück und lobt die Nato als "friedensstiftendes Bündnis".
Düsseldorf, Münster (epd). Die Vergabe des diesjährigen Westfälischen Friedenspreises an die Nato hat für Kritik gesorgt, die Wirtschaftliche Gesellschaft Westfalen und Lippe als Veranstalter sieht darin aber ein wichtiges Zeichen in schwierigen Zeiten. Die Nato sei ein „friedensstiftendes Bündnis“ und Frieden eine „elementare Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung und Wohlstand“, sagte der Vorsitzende der Gesellschaft, Reinhard Zinkann, am Donnerstag in Düsseldorf. Die Nato sichere die „Freiheit in der Demokratie“. Diesen Sachverhalt wolle man mit der Preisverleihung deutlich machen.
Die Entscheidung, die Auszeichnung an das Verteidigungsbündnis zu vergeben, habe auch in der Jury zu Diskussionen geführt, gestand Zinkann, der auch geschäftsführender Gesellschafter der Miele-Gruppe ist. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges in der Ukraine habe man jedoch die Notwendigkeit gesehen, auf die Nato hinzuweisen und deren Beitrag zu würdigen - als ein „weiteres Band“, das Europa neben der EU und dem Euro zusammenhalte.
Zinnkann: Haben mit Kritik gerechnet
Man stelle sich der öffentlichen Kritik an dieser Entscheidung und habe auch damit gerechnet. Dass als Reaktion auf die Auszeichnung für die Nato in diesem Jahr ein alternativer Friedenspreis in Münster verliehen werde, müsse man „akzeptieren“, betonte der Vorsitzende der Wirtschaftlichen Gesellschaft Westfalen und Lippe, in der rund 120 Unternehmerinnen und Unternehmer organisiert sind. Man bedauere aber, dass zuvor niemand mit der Gesellschaft das Gespräch in dieser Frage gesucht habe.
NRW-Europaminister Nathanael Liminski (CDU) betonte, dass die Entscheidung für den Preisträger in der aktuellen Zeit eine besondere Bedeutung habe. Mit dem Krieg in der Ukraine und den hybriden Angriffen auch auf Deutschland habe man erleben müssen, dass Frieden und Sicherheit in Europa nicht mehr selbstverständlich seien. Der russische Staatspräsident Wladimir Putin stelle die Nato „auf die Probe wie nie zuvor“. Mit der Preisverleihung an die Nato werde deshalb ein Impuls gesetzt, darüber zu diskutieren, „woher Frieden eigentlich kommt“.
Die Auszeichnung wird am 1. Oktober im Historischen Rathaus in Münster verliehen. Nato-Generalsekretär Mark Rutte nimmt den mit 100.000 Euro dotierten Preis persönlich in Empfang. Die Laudatio auf den Preisträger hält Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
Auszeichnung erinnert an Ende des Dreißigjährigen Krieges
Der Preis des Westfälischen Friedens erinnert an den Friedensschluss zur Beendigung des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1648, der in Münster und Osnabrück erzielt wurde. Die Auszeichnung ist der am höchsten dotierte deutsche Friedenspreis und wird in der Regel alle zwei Jahre von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe vergeben. Unter den bisherigen Preisträgern sind unter anderem die früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) und Helmut Kohl (CDU) sowie der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan. Zuletzt wurde 2024 der französische Staatspräsident Emmanuel Macron ausgezeichnet.
Mit dem Jugendpreis wird in diesem Jahr das junge Netzwerk „SocioMovens, Giving Europe a Soul“ ausgezeichnet. Das Jugendnetzwerk mit Wurzeln in Mittel- und Osteuropa fördere soziales Engagement, europäische Verständigung und eine werteorientierte Jugendkultur, hieß es.