Aachener Friedenspreis würdigt Kölner Initiative und US-Kollektiv

Für den Einsatz im Bereich palästinensisch-jüdischer Dialog und friedlichen Widerstand gegen die US-Einwanderungsbehörde ICE haben drei Initiative den Aachener Friedenspreises 2026 bekommen. Geehrt wurden etwa die "Palestinians and Jews for Peace".

Aachen (epd). Eine palästinensisch-jüdische Initiative und Organisationen, die gewaltfreien Widerstand gegen die US-Einwanderungsbehörde ICE organisieren, haben am Dienstag den Aachener Friedenspreis bekommen. Die Kölner Initiative „Palestinians and Jews for Peace“ (PJFP) setze sich für „einen differenzierten Dialog und einen mitfühlenden, respektvollen Umgang zwischen jüdischen und palästinensischen Menschen ein“, erklärte der Verein Aachener Friedenspreis. Die Initiative wollte am Abend der frühere Präsident des EU-Parlaments und SPD-Politiker Martin Schulz in einer Laudatio in der Aula Carolina in Aachen würdigen.

Zudem wurden die Organisation Unidos MN und das Team des queeren Sexshops „The Smitten Kitten“ geehrt. Sie organisieren in Minnesota Widerstand gegen migrationsfeindliche Ressentiments und klären Menschen über ihre Rechte auf, wie der Friedenspreis erklärte. Der Preis ist mit je 2.000 Euro dotiert.

Differenzierter Dialog und respektvolles Miteinander

Mit der Ehrung der „Palestinians and Jews for Peace“ wolle der Friedenspreis „ein Zeichen für die Kraft des Dialogs“ und „die Notwendigkeit neuer Wege im Umgang mit Konflikten setzen“, hieß es. Die Mitglieder stünden gegen Schwarz-Weiß-Denken auf. Mit Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit setzten sie sich auch für eine differenzierte Berichterstattung und konstruktiven Dialog ein. Die Initiative wurde den Angaben zufolge im Oktober 2023 als Reaktion auf die eskalierende Gewalt im Nahen Osten nach dem 7. Oktober gegründet.

Die Kölner Initiative erklärte, sie nehme den Preis „als Ermutigung, weiterzumachen“. Sie verwies laut Redetext auf die humanitäre Lage in Gaza und das angespannte politische Klima in Israel. Aber auch angesichts von Milliarden-Ausgaben für Waffen und sinkender Mittel für die Radikalisierungs-Prävention, Bildung, Gesundheit, und Soziales in Deutschland sei es wichtig, die Grundlagen des sozialen Friedens zu erhalten. Deshalb wolle man gemeinsam weiter Brücken bauen und Widerstand leisten „für Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität“.

US-Organisation: Mut kann eingeübt werden

Die Auszeichnung der beiden US-Organisationen ist laut Verein als Signal der internationalen Solidarität an die demokratischen Bewegungen in den USA gedacht. „Während Unidos MN die organisatorische Kraft und politische Bildung leistet, steht 'The Smitten Kitten' für die unbeugsame Menschlichkeit und die kreative Widerständigkeit der Subkultur.“ Beide setzen sich für Menschenrechte auch von Migrantinnen und Migranten ein und leisten Nachbarschaftshilfe. Gemeinsam zeigten sie, dass Friedensarbeit im 21. Jahrhundert viele Gesichter habe, hieß es. Brutale Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis hatten im Januar international für Aufsehen gesorgt. Dabei waren mehrere Menschen gestorben.

Emilia Gonzales Avalos, Geschäftsführerin von Unidos MN, erklärte laut Redetext, in jedem Menschen gebe es die Tendenz bei Unrecht wegzuschauen, und die Fähigkeit, standhaft zu bleiben. Doch Mut könne eingeübt werden. Das hätten tausende normale Menschen in Minnesota getan und sich trotz Angst für Nachbarinnen und Nachbarn eingesetzt und gegen die Einwanderungsbehörde ICE gestellt.

Verantwortliche von ICE zur Rechenschaft ziehen

Das Team des queeren Sexshops „The Smitten Kitten“ verwies in der Dankesrede auf den Einsatz indigener Ureinwohner und der „Black Lives Matter“-Bewegung gegen staatliche Gewalt. Auf dieser Basis stehe das heutige bürgerschaftliche Engagement in Minnesota. Der Gewalt durch die Einwanderungsbehörde habe man einen „epischen kollektiven Aufstand der Liebe, Fürsorge und des Mitgefühls“ entgegengesetzt. Die Verantwortlichen von ICE und den lokalen Strafverfolgungsbehörden müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Der Aachener Friedenspreis zeichnet seit 1988 jährlich Menschen und Gruppen aus, die an der Basis für Frieden und Verständigung arbeiten.

Hintergrund: Aachener Friedenspreis

Seit fast 40 Jahren lenkt der Aachener Friedenspreis jährlich die Aufmerksamkeit auf eher unbekannte Projekte oder Menschen, die sich gegen Gewalt und für Verständigung einsetzen. Der Preis soll Menschlichkeit, Zivilcourage und Tatkraft würdigen.

Aachen (epd). Der Aachener Friedenspreis wird seit 1988 an Menschen und Gruppen verliehen, die sich gegen Gewalt und für Verständigung einsetzen. „Wir wollen sie ehren, wenn sie Frieden gestiftet haben durch Gerechtigkeitssinn, Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft; durch Gewaltlosigkeit, Zivilcourage, Tatkraft, Sachlichkeit und Herz“, heißt es in der Gründungserklärung. Der mit jeweils 2.000 Euro dotierte Preis ist meist zweigeteilt und geht somit an zwei verschiedene Initiativen oder Einzelpersonen.

Geehrt werden vor allem eher unbekannte Projekte oder Menschen. Sie sollen durch die renommierte Auszeichnung öffentliche Aufmerksamkeit erhalten und vor Repressionen und Gewalt geschützt werden. Die Verleihung findet traditionell am 1. September, dem Antikriegstag, statt.

Getragen wird der Aachener Friedenspreis von rund 50 kirchlichen, politischen, gewerkschaftlichen und gesellschaftlichen Gruppen sowie etwa 300 Einzelpersonen, die im Verein „Aachener Friedenspreis“ zusammengeschlossen sind. Wer den Preis erhält, entscheidet die Mitgliederversammlung.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem der Initiativkreis gegen Atomwaffen in Büchel, die türkische Menschenrechtsaktivistin Leyla Zana, die Menschenrechtsorganisationen Borderline Europe und Pro Asyl, die „Omas gegen Rechts“ und das Wanderkirchenasyl NRW. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung die studentische Medienplattform „Amirkabir Newsletter“ im Iran und das Festival „Jamel rockt den Förster“ gegen Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern.