Strahlenschützer drängen auf formelles Verbot von Atomwaffentests
Vor 30 Jahren haben die Vereinten Nationen einen Vertrag für ein Verbot von Atomwaffentests beschlossen. Formell in Kraft getreten ist dieser aber bis heute nicht. Das Bundesamt für Strahlenschutz überwacht die Einhaltung in Deutschland.
Salzgitter (epd). Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) setzt sich für das formelle Inkrafttreten des internationalen Vertrags über ein umfassendes Verbot von Atomwaffentests ein. „Der Kernwaffenteststopp-Vertrag ist ein wichtiger Baustein der weltweiten Bemühungen, den Einsatz von Atomwaffen zu verhindern“, sagte BfS-Präsidentin Inge Paulini am Dienstag in Salzgitter. Durch dieses weltweite Überwachungssystem könnten Atomwaffen nicht mehr unbemerkt getestet werden. Der Vertrag war vor 30 Jahren, am 10. September 1996, von der Generalversammlung der Vereinten Nationen angenommen und anschließend zur Unterzeichnung ausgelegt worden.
Der letzte nachgewiesene Kernwaffentest liege neun Jahre zurück, sagte Paulini. „Das zeigt, dass der Vertrag wirkt.“ Deutschland setze sich trotz aller Erfolge weiterhin für das formelle Inkrafttreten ein. Neun Staaten, deren Ratifizierung zwingend erforderlich ist, haben diesen Schritt dem BfS zufolge noch nicht vollzogen oder im Falle Russlands wieder zurückgenommen. Zu den Ländern, die den Vertrag noch nicht ratifiziert haben, zählen unter anderem Indien, China und die USA.
Messstation auf dem Schauinsland
Für die Überwachung ist in Deutschland das BfS gemeinsam mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe zuständig. Auf dem Berg Schauinsland bei Freiburg betreibt das BfS eine Station zum Nachweis radioaktiver Stoffe im Luftstaub und seit 2004 ein automatisches Xenon-Messsystem. Von Dezember an will es dieses durch eine empfindlichere Gerätegeneration ersetzen.
Weltweit wurden den Angaben zufolge seit 1945 mehr als 2.000 Kernwaffentests gezählt, etwa ein Viertel davon in der Atmosphäre. Seit dem Aufbau des Überwachungssystems um die Jahrtausendwende habe es außer in Nordkorea keine Tests mehr gegeben. Ratifiziert haben den Vertrag bislang 179 Staaten, zuletzt Tonga im Juli 2026.