Dienst an der Waffe: Beratungen der Kirche stärker gefragt
Der neue Wehrdienst und die Wehrerfassung aller 18-Jährigen lässt die Nachfrage nach Beratungen steigen. Die Kirchen reagieren.
Düsseldorf, Bielefeld (epd). Der Start des neuen Wehrdienstes bringt junge Menschen vermehrt dazu, kirchliche Beratungsangebote zum Dienst an der Waffe und einer Kriegsdienstverweigerung wahrzunehmen. Fast alle der 20 evangelischen Landeskirchen berichten von einer steigenden Nachfrage im laufenden Jahr und einem Ausbau des Angebots. Einige Landeskirchen weisen 18-Jährige per Postkarte auf Informationen und Beratungsmöglichkeiten hin, bei anderen ist das in Planung, wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) ergab.
Die westfälische Kirche, die aktuell eigene Beraterinnen und Berater ausbildet, erklärte, es werde eine steigende Nachfrage registriert. Die Landeskirche ist im Frühjahr 2026 der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) beigetreten und wird darüber die KDV-Beratung organisieren, wie eine Sprecherin in Bielefeld dem epd sagte. „Wir gehen davon aus, ab Herbst 2026 erste eigene Beraterinnen und Berater einsetzen zu können“, sagte sie. Zudem werde der Austausch mit jungen, betroffenen Menschen gesucht. So hatte Präses Adelheid Ruck-Schröder im Juni die evangelische Schule in Meinerzhagen besucht, um mit den Schülerinnen und Schüler zu diesem Thema zu diskutieren.
Die Lippische Landeskirche teilte mit, das Angebot ausgeweitet zu haben. Der Landeskirchenrat habe zwei Pfarrpersonen mit der Wahrnehmung der Beratung beauftragt.
Kommunikationskampagne mehrerer Landeskirchen
Die rheinische Kirche geht das Thema den Angaben zufolge in einem Verbund mehrerer Landeskirchen mit einer Kommunikationskampagne an. An einer WhatsApp-Journey zum Thema Wehrdienst und der Webseite „wehrpflicht.sinnundsegen.de“ sind die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg, die Evangelische Kirche im Rheinland, die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck und die Evangelische Kirche der Pfalz beteiligt.
Auf katholischer Seite hat die Organisation pax christi Ende vergangenen Jahres bundesweit neue Beratungsstrukturen aufgebaut. Das Interesse nehme besonders dann zu, wenn das Thema Wehrdienst und Kriegsdienstverweigerung verstärkt in den Medien präsent sei, hieß es.
Beratung erfolgt ergebnisoffen
Die Kirchen betonen, dass sie die jungen Menschen ergebnisoffen beraten. Die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung hat sich seit dem Start der Wehrerfassung für alle 18-Jährigen zu Jahresbeginn deutlich erhöht. Bis zum 31. Juli gingen im laufenden Jahr 8.302 Anträge beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ein. Das waren mehr als doppelt so viele wie im gesamten vergangenen Jahr, als es 3.879 Anträge gab.