Nahost-Konflikt: Gut 4.000 Menschen demonstrieren in Nürnberg

Nürnberg (epd). Am Samstag sind in Nürnberg laut Polizeiangaben mehrere tausend Menschen bei zwei Demonstrationen zusammengekommen. Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Nürnberg hatte zu einer Menschenkette um ihre Gemeinde in der Arno-Hamburger-Straße aufgerufen. Rund 500 Menschen versammelten sich unter dem Motto „Nürnberg - eine Stadt für Demokratie, Vielfalt, Freiheit und den Schutz jüdischen Lebens“.

Dieser symbolische Akt der Solidarität und des Zusammenstehens sei gerade in der aktuellen Zeit ganz besonders wichtig, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in seinem Grußwort laut Manuskript. Noch nie seien so viele antisemitische Vorfälle in Bayern dokumentiert worden - mehr als 1.500 Fälle im Jahr 2024. „Diese Zahlen erschüttern, aber sie dürfen uns nicht lähmen. Sie müssen uns wachrütteln und vereinen wie heute hier“, sagte Herrmann.

Der Krieg in Nahost reiße Gräben auf und verstärke antijüdische und antiisraelische Hetze. Es sei jedermanns Recht, für die Rechte der Palästinenser zu demonstrieren. „Wo aber blinde Zerstörungswut herrscht, jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger offen antisemitisch angegangen werden oder das Existenzrecht Israels infrage gestellt wird, da sind eindeutig rote Linien überschritten“, betonte der Innenminister.

Die Menschenkette, zu der neben der IKG auch die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) Nürnberg-Mittelfranken und der regionale Kulturförderverein Nordkurve aufgerufen hatten, war eine Reaktion auf die bundesweit angekündigte Aktion unter dem Motto „rise4gaza“, die am Samstag auch in Nürnberg am Kornmarkt stattfand und laut Einladung zu „Solidarität für die Palästinenser:innen in Gaza, Ostjerusalem und dem Westjordanland“ aufrief. Laut Polizei kamen rund 3.600 Menschen. Die Demonstration sei „bislang friedlich“ verlaufen, hieß es am späten Nachmittag vonseiten der Polizei.

Die IKG hatte zuvor gewarnt, „dass Hetzer und Hasser im Zentrum Nürnbergs unter dem Vorwand der Solidarität mit Gaza marschieren“. Die Demonstrationen seien bereits in den vergangenen Monaten „oft von Terrorpropaganda, Gewaltverherrlichung, Holocaustrelativierung und Angriffen auf Andersdenkende sowie staatliche Organe“ begleitet gewesen.