"Besser spät als nie": Urteil Jahrzehnte nach LRA-Terror in Uganda

Nach einem Marathonprozess soll in Uganda das Strafmaß gegen den ehemaligen LRA-Kommandeur Thomas Kwoyelo verkündet werden. Die Rebellengruppe terrorisierte lange den Norden des Landes. Anführer Joseph Kony ist weiter auf freiem Fuß.

Dakar/Kampala (epd). Mit versteinerter Miene saß Thomas Kwoyelo Anfang August im Gerichtssaal der nordugandischen Stadt Gulu, als der Vorsitzende Richter Michael Elubu das Urteil bekannt gab: schuldig. Wegen Mordes, Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Der ehemalige Befehlshaber der „Lord's Resistance Army“ („Widerstandsarmee des Herrn“) sah sich mehr als 70 Anklagen gegenüber. Am Ende wurde er in 44 Fällen schuldig gesprochen. Die Länge der Haftstrafe ist noch nicht festgelegt. Eine Entscheidung darüber wird laut Ottilia Anna Maunganidze, Expertin für internationales Kriminalrecht beim Institute for Security Studies, für den 16. Oktober erwartet.

Dann findet ein Prozess sein Ende, der mittlerweile rund 15 Jahre andauert. Kwoyelo, der im Alter von zwölf Jahren von der LRA auf dem Weg zur Schule verschleppt wurde, war nach Jahren in der Rebellengruppe zum Kommandanten aufgestiegen - und 2009 schließlich in der Demokratischen Republik Kongo gefangen genommen worden. „Seither befindet er sich in Haft“, erklärt der Anwalt Caleb Alaka, der Kwoyelo seit November 2010 begleitet.

Die LRA war 1987 von Joseph Kony gegründet worden, mit dem erklärten Ziel, eine christlich-fundamentalistische Regierung zu errichten. Rund 20 Jahre lang wütete die Miliz im Norden Ugandas, verbreitete Terror, missbrauchte systematisch Kinder als Soldaten und zwang entführte Mädchen und Frauen in die Sex-Sklaverei. Die Miliz war berüchtigt für ihre Grausamkeiten und das Abhacken von Gliedmaßen. Bis heute leiden die Opfer an den seelischen und körperlichen Wunden.

Kwoyelo ist der erste und bislang einzige LRA-Kommandeur, der sich innerhalb Ugandas vor einem Gericht verantworten muss. Auf internationaler Ebene wurden die Anführer Joseph Kony und Dominic Ongwen angeklagt. Letzterer wurde zu 25 Jahren Haft verurteilt und verbüßt derzeit seine Strafe in einem norwegischen Gefängnis.

Joseph Kony aber ist weiterhin auf der Flucht. „Es wird angenommen, dass er noch am Leben ist, aber wo genau er sich aufhält, ist nicht klar“, sagt Alaka. Die Eröffnung eines Vorverfahrens zur Prüfung der Beweislage war eigentlich für den 15. Oktober in Absentia, also in Abwesenheit des Angeklagten, angesetzt. Anfang September jedoch gab der Internationale Strafgerichtshof (ICC) eine Vertagung auf unbestimmte Zeit bekannt. Begründet wurde dies unter anderem mit dem großen Umfang der Anschuldigungen und der erst kürzlich erfolgten Ernennung des Verteidigers für Kony im Juni dieses Jahres.

Die Tatsache, dass zumindest der Fall Kwoyelo nach gut 15 Jahren nun endlich ein Ende findet, wertet Kriminalrechtsexpertin Maunganidze positiv: „Besser spät als nie. Gerechtigkeit kann und wird geübt werden, egal wie lange es dauert“, sagt sie. Doch sei es wichtig, weiterhin ein Verfahren gegen Kony anzustreben. „Wir könnten sagen, dass mit der Verurteilung von Ongwen und Kwoyelo der Gerechtigkeit Genüge getan wurde“, erklärt sie, „aber schlussendlich ist es Joseph Kony, der an der Spitze der LRA und deren Rekrutierungsstrategie steht“.