Tschadsee-Aktivisten fordern Beteiligung an Friedensbemühungen

Berlin (epd). Kirchliche und zivilgesellschaftliche Akteure aus der Konfliktregion rund um den Tschadsee fordern eine stärkere Beteiligung an den internationalen Friedensbemühungen. "Religionsführer haben die Ohren und die Herzen der Menschen", sagte der Theologe John Bakeni von der Diözese Maiduguri in Nigeria am Mittwoch in Berlin. Sie einzubeziehen, würde die Dinge sehr vereinfachen. 

Konfliktforscher Atta Barkindo vom Kukah-Institut in Abuja betonte, um die Terrorgruppe Boko Haram effektiv zu bekämpfen, müssten die religiösen Führer im Land trainiert werden. Ohne sie seien extremistische und intolerante Strömungen nicht einzudämmen. Seinen Angaben nach ist eine Aussöhnung mit einstigen Boko-Haram-Kämpfern an vielen Orten derzeit noch undenkbar, zu groß sei die Wut. 

Marthe Wandou von der Initiative ALDEPA in Kamerun, die sich gegen Zwangsverheiratung von Mädchen einsetzt, bemängelte, dass auch traditionelle Führer oder Frauenorganisationen als Akteure eines Friedensprozesses derzeit nicht in Betracht gezogen würden. Der Leiter des katholischen Hilfswerks Caritas im Tschad, Alain Deoulengar, berichtete, dass weiterhin junge Menschen von den Dschihadisten unter anderem mit falschen Versprechen gelockt würden. 

Am Montag und Dienstag hatte eine Geberkonferenz in Berlin der Tschadsee-Region Milliardenhilfen für Maßnahmen gegen Terrorismus, Armut und Klimawandel zugesagt. Staaten und Organisationen berieten über Perspektiven für das Gebiet, das Teile des Tschad, von Niger, Kamerun und Nigeria umfasst. Dort leben nach UN-Angaben 2,4 Millionen Flüchtlinge, vor allem Binnenvertriebene. Zehn Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.