Staaten sagen Milliardenhilfe für Tschadsee-Region zu

Berlin (epd). Im Kampf gegen Terrorismus, Armut und Klimawandel erhält die afrikanische Tschadsee-Region Milliardenhilfen. Bei einer Geberkonferenz am Montag und Dienstag in Berlin sagten die Staaten insgesamt 2,17 Milliarden US-Dollar (knapp 1,9 Milliarden Euro) zu. Das Geld soll in den kommenden Jahren bereitgestellt werden. Deutschland hat laut Auswärtigem Amt 100 Millionen Euro zusätzlich für die humanitäre Hilfe zugesagt, 40 Millionen Euro für Sicherheit und Prävention. 

Bei der zweitägigen Konferenz berieten Staaten und Organisationen über Perspektiven für die Tschadsee-Region, die Teile des Tschad, von Niger, Kamerun und Nigeria umfasst. Vertreter der Anrainer-Staaten nahmen ebenfalls an den Beratungen teil. In der Region leben nach UN-Angaben 2,4 Millionen Flüchtlinge, vor allem Binnenvertriebene. Zehn Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. 

Im Februar 2017 hatte es bereits in Oslo eine erste Geberkonferenz für die Krisenregion gegeben, bei der Hilfen in Höhe von 672 Millionen Dollar zugesagt wurden. Deutschland beteiligte sich auch damals mit 100 Millionen Euro.

Amnesty International forderte, den Schutz der Menschenrechte zur Voraussetzung für die Zusammenarbeit mit den Ländern der Region zu machen. Insbesondere Sicherheitskräfte in Kamerun und Nigeria hätten im Kampf gegen die Terrororganisation Boko Haram auch Zivilisten attackiert und massive Menschenrechtsverletzungen verübt, erklärte die Menschenrechtsorganisation. 

UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock wies darauf hin, dass es noch immer nicht gelungen sei, alle Menschen mit Nothilfe zu erreichen, die dies bräuchten. Ein Teil der Realität sei, dass Zivilisten terrorisiert und Helfer verfolgt würden. Nun müssten Wege gefunden werden, dass man dadurch nicht arbeitsunfähig werde. 

Peter Maurer, Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, wies darauf hin, dass humanitäre Arbeit nur mit einem Konsens über grundlegende Verhaltensweisen möglich sei. Langfristige, unparteiliche Arbeit in neutralen Räumen sei alternativlos. Die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, betonte, dass es in Krisenländern zu einer langfristigen Verbesserung der humanitären Lage nur kommen kann, wenn es eine politische Lösung gebe. 

Außenminister Heiko Maas (SPD) versprach den auf der Konferenz versammelten Hilfsorganisationen, sich im UN-Sicherheitsrat für einen besseren Schutz humanitärer Helfer einzusetzen. Wenn die Bundesregierung 2019 und 2020 einen Sitz als nichtständiges Mitglied in dem Gremium innehat, werde man dieses Thema auf die Tagesordnung setzen. "Wir können nicht nur über Geldbeträge reden", betonte er. Notwendig seien Menschen, die dafür sorgten, dass die Hilfen auch dort ankämen, wo sie hingehörten. Deren Arbeit werde immer schwieriger, da sie selbst in Gefahr gerieten.