Kirchliche Hilfswerke: Friedensprozess in Kolumbien muss weitergehen

Aachen/Berlin (epd). Deutsche Entwicklungsorganisationen fordern eine Fortführung des Friedensprozesses in Kolumbien. Die Bundesregierung müsse sich beim neuen kolumbianischen Präsidenten Iván Duque dafür einsetzen, dass er am Friedensvertrag mit den FARC-Rebellen festhalte, erklärten die kirchlichen Hilfswerke "Brot für die Welt" und Misereor am Freitag in Aachen und Berlin. Die Regierung habe das Abkommen bisher viel zu schleppend umgesetzt. 

Die Hilfswerke beklagten zudem eine Mordwelle an Menschenrechtlern in Kolumbien. Vor allem in ländlichen Regionen füllten paramilitärische Gruppen und kriminelle Banden nach dem Rückzug der FARC-Guerilla das Machtvakuum aus, erklärte Barbara Ramsperger von "Brot für die Welt". "Der Staat sollte seine Präsenz dort endlich ausbauen und seiner Schutzpflicht nachkommen." Während die Gewalt in Kolumbien insgesamt seit dem Friedensprozess gesunken sei, sei die Zahl gezielter Morde an Menschenrechtsaktivisten massiv gestiegen. 

Der bewaffnete Konflikt in Kolumbien hat einer Untersuchung zufolge seit 1958 mehr als 262.000 Todesopfer gefordert. Der detaillierte Bericht des Nationalen Zentrums für Erinnerung (Centro Nacional de Memoria Histórica), der am Donnerstag (Ortszeit) in Bogotá veröffentlicht wurde, gibt zudem die Zahl der verschwundenen Menschen mit rund 80.000 an. Nach 70.000 von ihnen wird bis heute gesucht.

Die bislang vollständigste Datensammlung über den Krieg soll die Arbeit der Übergangsjustiz und der Wahrheitskommission erleichtern. Die Aufarbeitung des Krieges ist elementarer Bestandteil des Friedensvertrags, den die Regierung des scheidenden Präsidenten Juan Manuel Santos und die Farc-Guerilla Ende 2016 unterzeichnet haben. Der neue Präsident Duque hatte den Friedensvertrag bereits im Wahlkampf heftig attackiert und plädiert nun für eine Überarbeitung.