Unicef: Staatengemeinschaft versagt beim Schutz von Kindern
Bremen (epd). Die Staatengemeinschaft versagt nach Ansicht des deutschen Unicef-Geschäftsführers Christian Schneider beim Schutz von Kindern in den Kriegs- und Krisengebieten der Welt. Mehr als 21.000 Menschenrechtsverletzungen an Kindern und Jugendlichen zählten die Vereinten Nationen Schneider zufolge im Jahr 2017, darunter Tötungen, Verletzungen, Folter, Rekrutierungen. "Die Folgen für Kinder sind katastrophal, für viele wohl ein Leben lang", schreibt der Geschäftsführer des Deutschen Komitees für Unicef in einem Gastbeitrag im Bremer "Kurier am Sonntag".
"Was der Krieg, was das jahrelange, unmittelbare Erleben von Gewalt, die Todesangst oder der Verlust von Angehörigen in einzelnen Kindern anrichten, welche seelischen Verletzungen er ihnen zufügt, ist weitgehend unsichtbar", schreibt der Geschäftsführer des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen. Weil die Auswirkungen des Krieges auf die psychische Gesundheit nicht gleich zu erkennen seien, sei die Sorge um die betroffenen Kinder über viele Jahre hinter der direkt lebensrettenden Hilfe zurückgeblieben. Nur ein Bruchteil der Gelder für die Nothilfe werde für psychosoziale Hilfen eingesetzt.
Experten hätten jüngst bei einer Tagung in Berlin gefordert, die Angebote zur psychischen Gesundheit und psychosozialen Unterstützung sollten fester Bestandteil der internationalen Hilfe in Krisengebieten werden. "Nach Auffassung von Unicef werden sich die Investitionen in umfassendere Angebote für Kinder aus Krisengebieten auch unmittelbar auf die Vorbeugung von Gewalt, auf die Versöhnung und letztlich die politische Stabilität auswirken" betonte Schneider. Die deutsche Bundesregierung zähle zu den noch zu wenigen internationalen Partnern von Unicef, die umfassend die psychosoziale Arbeit stützten.