Caritas lehnt Trump-Pläne zu Afghanistan ab

Freiburg (epd). Eine stärkere Militarisierung in der Afghanistan-Politik ist nach Einschätzung von Caritas International (Freiburg) nicht sinnvoll. "Viel zu lange ist in Afghanistan auf die militärische Lösung gesetzt worden, wie es US-Präsident Donald Trump offenbar nun wieder vorhat", sagte der Afghanistan-Referent des katholischen Hilfswerks, Ivo Körner, dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Das Verhältnis zwischen zivilen und militärischen Ausgaben betrug in der Vergangenheit 1:7. Befriedet ist das Land dennoch nicht."

Trump hatte am Montag seine Afghanistan-Strategie verkündet. Dabei rückte er von der Politik seines Vorgängers Barack Obama und auch von seinem eigenen Wahlversprechen ab, die US-Soldaten so bald wie möglich komplett abzuziehen. Ein Abzug berge das Risiko eines Machtvakuums, das dem Terror das Feld überlasse, sagte er. Stattdessen will er offenbar die Truppen aufstocken. Wann und um wie viele Soldaten ließ er in seiner Rede offen.

Nach mehr als 15 Jahren der militärischen Intervention sei Afghanistan weiter eines der ärmsten Länder der Welt, erklärte Körner. 60 Prozent der Kinder seien mangelernährt, 7,4 Millionen Menschen litten unter akuter Lebensmittelknappheit. "Es wäre Afghanistan deshalb besser geholfen, wenn die internationale Gemeinschaft mehr in den Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte und die Stärkung der Wirtschaft und Infrastruktur investieren würde", sagte Körner. 

Trump hatte in seiner Rede hingegen betont, es gehe ihm nicht um den Aufbau des Landes, sondern darum, Terroristen zu töten. Caritas-Experte Körner erklärte, dass es die Hoffnungslosigkeit und die Wut auf die korrupte Verwaltung und Eliten sei, die viele Afghanen in die Hände der Taliban treibe. "Die zahlen mehr Geld als ein Bauer sonst verdienen kann."