Verabschiedung von Pfarrerin Sabine Müller-Langsdorf
Grußwort der EAK
zur Verabschiedung von Pfarrerin Sabine Müller-Langsdorf im Zentrum für Oekumene der EKKN und der EKKW am 12. Juni in Frankfurt/Main
Ein Abschied ist oft nicht leicht, doch manchmal ist ein Abschied auch nötig, um neue Ziele im Leben anzugehen. Und so ist es auch heute bei Pfarrerin Sabine Müller-Langsdorf bei ihrem Abschied aus dem Zentrum Oekumene. Wir sind ihr dankbar für ihre langjährige, engagierte und segensreiche Arbeit. Aber wir freuen uns auch mit ihr auf ihre neuen Aufgaben und Herausforderungen. So ist das heute ein Tag des Abschieds, doch genauso ein Tag des Neuanfangs.
Sabine Müller-Langsdorf hat als Pfarrerin für Friedensarbeit der beiden evangelischen Landeskirchen in Hessen über viele Jahre hinweg die Evangelische Friedensarbeit, aber gerade auch die Arbeit der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden nachhaltig geprägt, sie mit ihren Ideen bereichert und zahlreiche Projekte initiiert, begleitet und zum Erfolg geführt.
Sie war in gleich zwei Organisationsentwicklungsprozessen beteiligt: Einmal, als die EAK ihre Schwerpunkte nach der Aussetzung der Einberufung zur Wehrpflicht neu definierte, und dann in der Evangelischen Friedensarbeit insgesamt, als ihr die EKD drastische Mittelkürzungen verordnete und es darum ging, die Arbeit dennoch sinnvoll und wirkungsvoll fortzuführen.
Lange Jahre war sie Mitglied im EAK-Vorstand, sie wirkte in Gremien der Evangelischen Friedensarbeit mit. Aus ihrer Feder entstanden liturgische Texte für Friedensgottesdienste und Friedensgebete und sie war auf vielen Kirchentagen aktiv, auf dem Markt der Möglichkeiten, bei Workshops, bei Gottesdiensten und bei Veranstaltungen.
Sabine Müller-Langsdorf engagierte sich in der Flüchtlingsarbeit, sie besuchte für die EAK Flüchtlingslager in der Ägäis. Also Orte, wo das Unrecht zum Himmel schreit, sprach dort mit Initiativen, Kirchen und Menschenrechtsorganisationen. Daraus entstand die Unterstützung von „Safe passage“, kleine Taschen mit den auffälligen orangenen Resten aus Rettungswesten genäht, hergestellt in der Nähwerkstatt einer lokalen Flüchtlingsinitiative auf der Insel Lesbos. Ein Projekt, dass ihr sehr am Herzen lag, um sich einzusetzen für sichere Fluchtwege und den Schutz von Menschenrechten auf der Flucht.
Genauso wichtig war und ist für sie die Unterstützung von Menschen in Gewissensfragen. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine und der sogenannten Zeitenwende ist das Thema Kriegsdienstverweigerung wieder ganz aktuell geworden. Viele Beratungsgespräche mit jungen Menschen, aber auch mit Soldatinnen und Soldaten oder Reservisten hat sie geführt, ihnen beigestanden bei ihren Fragen nach dem Dienst mit der Waffe. Außerdem gehörte sie zum Autorenteam der EAK-Broschüre „Finde deinen Weg“ zu Gewissensfragen bei Wehrdienst und Kriegsdienstverweigerung. Und ebenso setzte sie sich für das Recht auf Asyl für Kriegsdienstverweigerer aus Russland, aus Belarus oder aus der Ukraine ein. Auf das eigene Gewissen hören und sich bewusst machen, was man für den Frieden tun kann, das war Sabine Müller-Langsdorf bei dieser Arbeit wichtig.
In einem SWR-Interview hat Sabine Müller-Langsdorf mal gesagt: „Das Schöne am christlichen Glauben ist ja, dass Gott in den Frieden mit eingedacht wird, dass Gott uns Frieden schenkt und dass er uns in Jesus Christus auch gezeigt hat, wie Frieden gelingen kann. Und damit haben wir ein Stück Frieden in uns als Christinnen und Christen und aus diesem Frieden heraus zu leben, das kann uns ja auch sehr ermutigen für gerechten Frieden zu sorgen.“
Im Hessischen Rundfunk meinte sie, dass sie gerne Friedenspfarrerin sei, weil sie so mit anderen zusammen suchen könne, was dem Leben diene. Und wörtlich meinte sie: „Zuhören. Schauen, was ist. Vertrauensvolle Begegnung. Aufstehen gegen Unrecht. Nein sagen, wenn nötig. Solidarisch handeln und dem Frieden Gottes trauen, der höher ist als alle Vernunft.“
Das war, das ist ihre Richtschnur. Und in dieser Gewissheit hat sie all die Jahre in der Evangelischen Friedensarbeit, in der EAK in vielfältiger Weise mitgewirkt. Und dafür sind wir ihr sehr dankbar. Für dieses Engagement, für ihre Arbeit und für ihre vielen Ideen, für Gespräche und Austausch. Sabine Müller-Langsdorf hat die EAK geprägt und sie wird Spuren hinterlassen. Doch wir freuen uns auch mit ihr über ihre neuen Aufgaben und wünschen ihr dafür alles Gute und Gottes Segen.
Wolfgang M. Burggraf
Geschäftsführer der EAK