Evangelische Friedensarbeit will Stellungnahme zur nuklearen Abschreckung erarbeiten
Die im November vorgestellte EKD-Friedensdenkschrift „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“ hat festgestellt, dass sich hinsichtlich der nuklearen Abschreckung und der nuklearen Teilhabe keine eindeutigen, ethisch begründeten Vorgaben treffen, sondern lediglich Dilemmata festhalten lassen. Diese Position ist vielfach kritisiert worden, die Konferenz für Friedensarbeit im Raum der EKD hat bei ihrer Jahrestagung in Landau eine Arbeitsgruppe beauftragt, eine fachliche Stellungnahme zur Frage der nuklearen Abschreckung zu erarbeiten, die über das in der Denkschrift aufgezeigte Dilemma hinaus Perspektiven für die konkrete Friedensarbeit im Raum der EKD zu entwickeln.
„Hinsichtlich der Bewertung von Atomwaffen ist die neue EKD-Friedensdenkschrift an einen Punkt gekommen, wo zwar betont wird, dass nukleare Waffen ethisch nicht zu rechtfertigen seien, sie aber politisch nötig sind“, betonte der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), der frühere badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh, in Landau. Die AGDF hatte den Antrag zur Bildung dieser Arbeitsgruppe in der Konferenz für Friedensarbeit eingebracht. Gleichzeitig habe die Denkschrift aber auch betont, dass diese Situation hinsichtlich der nuklearen Abschreckung nur als eine zu überwindende Übergangslösung rechtfertigen lasse und engagierter Initiativen und Maßnahmen zu ihrer Überwindung bedürfe, so der AGDF-Vorsitzende.
„Dies greifen wir auf und darum ist es an der Zeit, zu überlegen, wie wir diese in der EKD-Friedensdenkschrift benannten Dilemmata weiterentwickeln und Perspektiven für die sicherheits- und friedenspolitische Debatte liefern können“, unterstrich Jochen Cornelius-Bundschuh. Darum solle die Arbeitsgruppe an den Fragen weiterarbeiten, an denen die Denkschrift abbreche. „Wie können Gemeinden, Kirchen, Friedensgrüppen und einzelne Christenmenschen durch konkrete Initiativen, politische Impulse in die Öffentlichkeit, ökumenische Vernetzung und praktische Friedensarbeit zu einer Überwindung dieser Konstellation beitragen? Wer könnte Bündnispartner auf diesem Weg sein?“, skizzierte der AGDF-Vorsitzende mögliche Themen, die die Arbeitsgruppe angehen könnte. Und dies auch in einer ökumenischen Weite mit der katholischen Kirche, dem ÖRK und den Friedenskirchen, so Cornelius-Bundschuh.
Marian Loose, Vorstandsmitglied von ICAN, informierte in Landau über den aktuellen Stand beim Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen, den mittlerweile 99 Staaten unterschrieben oder ratifiziert haben. Er warnte davor, dass mit dem Auslaufen der letzten nuklearen Rüstungskontrollverträge künftig keine Obergrenzen mehr für eine atomare Rüstung bestehen würden. „Damit ist der Atomwaffenverbotsvertrag ein Modell für die Zukunft des Multilateralismus, denn er zeigt, dass es auch anders geht“, so Marian Loose. Er sprach sich in Landau für einen Perspektivwechsel bei der EKD aus, der auch die ökumenischen Stimmen aus dem globalen Süden in den Blick nehmen sollte. Außerdem sei es wichtig, dass Deutschland zumindest einen Beobachterstatus beim Atomwaffenverbotsvertrages einnehme und dass die Atomwaffen aus Büchel abgezogen würden. „Hier freuen wir uns auch über die Unterstützung der Kirchen.“