EKD-Friedensbeauftragter: Kein egoistischer, sondern ein gerechter Frieden in der Ukraine
Mit Befremden hat der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer, den gemeinsamen Antrag von AfD und BSW im Landtag von Sachsen-Anhalt zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine aufgenommen. Dieser Antrag, der in einer Sondersitzung des Landtags am 14. Oktober verabschiedet werden soll, fordert Friedensgespräche mit Russland sowie die sofortige Aussetzung deutscher Sanktionen gegen Russland.
„In diesem Antrag wird viel von Frieden gesprochen, doch in meinen Augen sind das Worte, die einseitig die russische Position vertreten, aber die Situation der Ukraine, die von Russland völkerrechtswidrig überfallen wurde, völlig ignorieren“, bedauert Landesbischof Friedrich Kramer. Das werde schon daran deutlich, dass eine sofortige Aufhebung der deutschen Sanktionen gefordert werde, ohne diese Aufhebung an ein Entgegenkommen Russlands gegenüber der Ukraine zu knüpfen.
Friedensinitiativen seien grundsätzlich zu begrüßen, jedoch könne es kein Frieden allein nach russischen Vorstellungen sein, unterstreicht der EKD-Friedensbeauftragte. „Alles, was dem Frieden dient, verdient unsere Unterstützung. Aber wir wollen einen gerechten Frieden für die Ukraine und keinen, dem das Leid der Menschen in der Ukraine egal ist“, so Friedrich Kramer.
Bisher habe Russland auf Gesprächsangebote nicht reagiert, sondern immer auf seinen Maximalforderungen bestanden, die aber für die Ukraine nicht akzeptabel sein könnten, macht der Landesbischof klar. „Das, was dieser Antrag auf den Tisch legt, ist ein egoistischer Frieden. Als evangelische Kirche setzen wir uns für einen gerechten Frieden ein“, so der Landesbischof.
„Das Friedensthema bewegt viele Menschen in Sachsen-Anhalt, wie auch an den Ergebnissen der Landtagswahl zu sehen ist. Niemandem kann das Sterben in der Ukraine egal sein. Alle sind aufgefordert, sich für den Frieden dort zu engagieren. Ich bete für einen gerechten Frieden in der Ukraine“, betont der EKD-Friedensbeauftragte.
In dem Antrag erkenne er in erster Linie populistische Gründe und nicht die wirkliche Suche nach einem gerechten Frieden, bedauert er. „Hier wird vorgetäuscht, Sachsen-Anhalt könnte in dieser Frage Entscheidungen treffen. Die Fragen, die hier angesprochen werden, sind aber bundespolitische Themen“, so der Landesbischof. Daher sei dies eher ein Antrag, der die Friedenssehnsucht der eigenen Wählerschaft bediene. „Und das ist in meinem Augen Populismus, wo den Menschen was vorgemacht wird“, kritisiert Friedrich Kramer.