EKD-Friedensbeauftragter: Allen Widrigkeiten zum Trotz nicht nachlassen im Bemühen um Frieden in der Welt

Angesichts der politischen Weltlage mit einem spürbaren Vertrauensmangel in die internationale Friedenspolitik, aber auch vor dem Hintergrund zahlreicher friedenspolitischer Herausforderungen in Deutschland hat der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Friedrich Kramer, bei der Konferenz für Friedensarbeit in Landau dazu aufgerufen, nicht nachzulassen im Bemühen um Frieden in der Welt, trotz aller Widrigkeiten für die Friedensarbeit im In- und Ausland. Und er verwies voller Zuversicht auf den Hebräerbrief, in dem es heiße: „Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber habt ihr nötig, auf dass ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt.“

Das Jahr 2026 habe bereits mit verstörend unsolidarischen Aktionen begonnen, beklagte der EKD-Friedensbeauftragte und verwies auf den massiven Anschlag auf die Berliner Stromversorgung, ebenso auf den eigenmächtigen Überfall der USA auf Venezuela. „Diese Erfahrungen der Ausgesetztheit, Verletzlichkeit und Ohnmacht erschüttern massiv unser Vertrauen in die Stabilität unserer freiheitlich-demokratischen Ordnung in Deutschland und der regelbasierten internationalen Ordnung“, so Landesbischof Friedrich Kramer in Landau.

Dabei sei erschreckend, dass die Verunsicherung der internationalen Ordnung nicht mehr nur von Staaten wie Russland oder China befördert werden, sondern auch vom bislang wichtigsten Partner Europas, den USA, mit verstörenden Ankündigungen von Annexionen in Bezug auf Grönland oder Kanada, verbunden mit der Drohung von hohen Einfuhrzöllen bei Widerständen gegen diese US-Pläne. „Diese ständig wiederholten Androhungen zerstören Vertrauen – hierzulande, in Europa und der gesamten Welt“, kritisierte der EKD-Friedensbeauftragte.

Landesbischof Friedrich Kramer beklagte dabei auch die fehlende verlässliche Partnerschaft und Solidarität der USA, die sich in deren Rückzug aus vielen internationalen Organisationen zeige. „Das ist fatal angesichts der weltweiten Herausforderungen, vor die uns der Klimawandel und kriegerische Konflikte stellen und denen nur gemeinschaftlich wirksam zu begegnen ist“, so der EKD-Friedensbeauftragte, der dabei auf die Vielzahl der Kriege in der Welt, in der Ukraine, im Sudan, in Myanmar, im Jemen und in Südostasien verwies.

Kritisch beurteilte der Landesbischof dabei den von US-Präsident Donald Trump aktuell berufenen „Friedensrat“, der bewusst als Konkurrenz zur UN konzipiert sei und den multilateralen, gerechtigkeitsorientierten Ansatz der Vereinten Nationen durch eine klar auf Macht, Geld und Einflussnahme basierten Struktur ersetzen solle. „Ein solches Gremium, zumal ohne die Einbindung der aktuell in Kriegen und Konflikten betroffenen Gemeinschaften wie die Palästinenserinnen und Palästinenser im Gaza und ohne klare rechtliche Grundlage dürfte kaum gerechten Frieden gestalten. Es wirft vielmehr Fragen nach echter Teilhabe und Anerkennung der Menschenwürde aller Beteiligten auf“, betonte der EKD-Friedensbeauftrage

„Es ist im Moment fast unmöglich, friedenspolitische Überlegungen zur Weltlage anzustellen, ohne gebannt Trumps Gebaren zu verfolgen. Genau das bezweckt seine Politik der Brüche, der schnellen, unvorhersehbaren Wendungen. Niemand soll sich in Vertrauen und Sicherheit wiegen, sondern sich im eigenen Denken und Handeln vollkommen abhängig von seiner Politik machen“, mahnte Landesbischof Friedrich Kramer. Gleichzeitig bestehe die Gefahr, dass Konflikte, die nicht vom US-Präsidenten aufgegriffen würden, übersehen würden, wie der Krieg im Sudan, fügte er hinzu. Der EKD-Friedensbeauftragte sprach sich nachdrücklich dafür aus, dass die EU dem Appell des kanadischen Premierministers Mark Carney in Davos zu folgen und „als Mittelmächte weltweit Verbündete zu suchen, eng zusammenzuarbeiten und selbstbewusst zu unseren Werten stehen“.

Deutliche Kritik übte Landesbischof Friedrich Kramer in Landau an der geplanten Kürzung der Mittel für die internationale Entwicklungszusammenarbeit durch die Bundesregierung, was die internationale Solidarität ebenfalls schwäche. Und er betonte mit Blick auf das Wehrdienst-Modernisierungs-Gesetz die besondere Verantwortung der Kirchen, junge Menschen bei ihrer Gewissensbildung zu unterstützen.

Die „Konferenz für Friedensarbeit im Raum der EKD“ tagt derzeit in Landau in der Pfalz. Sie kam im Januar 2009 zum ersten Mal zu ihrer jährlichen Tagung zusammen und vernetzt die Arbeit aller relevanten Akteure aus der evangelischen Friedensarbeit. Dadurch ermöglicht sie eine breite Diskussion friedenspolitischer Entwicklungen und Strategien sowie die Abstimmung gemeinsamer Initiativen und Projekte. Die Konferenz will dabei Impulse an die leitenden Gremien der EKD und ihrer Gliedkirchen sowie für die Arbeit ihrer Mitglieder geben. Geleitet wird die Konferenz für Friedensarbeit im Raum der EKD vom Friedensbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Friedrich Kramer.