„Eine Logik der gegenseitigen Abschreckung macht keinen Frieden“

Ökumenische Friedensandacht am 11. September auf der Friedenswiese am Fliegerhorst Büchel. 25. Jahre nach dem schrecklichen terroristischen Angriff auf New York und die USA. Aber auch im Angesicht der hier in der Eifel gelagerten US-Atomwaffen. An diesem Ort mahnten Christinnen und Christen der „Initiative Kirche gegen Atomwaffen“, dass nicht Angst das Zusammenleben bestimmen dürfe, trotz Terrorismus und trotz atomarer Bedrohung. Und dass sich nicht daran gewöhnt werden dürfe, dass die Vernichtung von Menschen als Möglichkeit bereitgehalten werde.

„Wir stehen hier in Büchel, weil wir uns mit Atomwaffen nicht abfinden. Wir akzeptieren nicht, dass die Drohung, Menschen massenhaft zu töten, zu unserer Sicherheit gehören soll. Wir wollen, dass diese Waffen verschwinden. Auch hier“, betonte Gregor Rehm, der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche der Pfalz in seiner Predigt in der Andacht auf der Friedenswiese. Und er machte klar: „Dafür erheben wir unsere Stimmen. Dafür beten wir heute!“

Abschreckung wolle Sicherheit schaffen, indem anderen mit der Zerstörung gedroht werde. Und die andere Seite wolle ebenfalls sicher sein und sehe die gegnerischen Waffen. „Jede Seite rechtfertigt den nächsten Schritt mit der Bedrohung durch andere“, warnte Gregor Rehm. Dabei sei es doch viel wichtiger, Verbindung zu den anderen Menschen aufzunehmen, machte der pfälzische Friedensbeauftragte deutlich.

So, wie Veronika Raß es nach dem 11. September 2001 getan hatte. Die heutige Pastoralreferentin im Pastoralen Raum Cochem-Zell hatte damals in ihrer Pfarrgemeinde nach den Anschlägen aus Sorge davor, dass Muslime nun unter Generalverdacht gestellt werden könnten, Kontakt zur türkischen Moscheegemeinde aufgenommen. „Auf diese Weise wurde das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Religionen und Kulturen nach einem einschneidenden historischen Ereignis gefestigt“, machte sie in Büchel deutlich. Der 11. September sei ein Tag gewesen, der Angst ausgelöst habe. Angst vor Terror, was zu Krieg in Afghanistan und im Irak führte, zu einer verschärften Sicherheitspolitik und zur Angst vor weiteren Anschlägen. „Veronika Raß hat den Kontakt gesucht, Menschen haben miteinander gesprochen, bevor das Misstrauen zwischen ihnen weiterwachsen konnte“, so Gregor Rehm. Friedenslogik statt Kriegslogik. 

Und dafür gab es Unterstützung von Dorothee Wüst, der Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, die schon mehrmals in Büchel gepredigt hatte und die in einem Grußwort zur Friedensandacht davor warnte, dass der Terroranschlag vom 11. September wie auch die Drohung mit Nuklearwaffen zu einer Kriegslogik führe, für die Menschenleben nichts zähle. „Den Attentätern in jenen Flugzeugen waren die Menschen, die sie töteten, vollkommen gleichgültig. Nicht mehr als notwendige Bauernopfer in einem Kampf um Überlegenheit. Nicht anders verhält es sich mit Atomwaffen. Unter dem Vorzeichen der Abschreckung ziehen sie ins Kalkül, dass am Ende Menschen sterben“, machte die Kirchenpräsidentin klar.

Christinnen und Christen wüssten, dass Frieden mehr sei als die Abwesenheit von Gewalt. „Frieden entsteht nicht dadurch, dass der andere genug Angst vor mir hat. Und nicht dadurch, dass ich im Ernstfall mehr zerstören kann als mein Gegenüber. Frieden entsteht, wo Menschen in den Blick kommen, ein Gesicht haben, nicht verrechnet werden. Frieden entsteht, wo Leben geschützt wird“, unterstrich Dorothee Wüst. 

Waffen, die in letzter Konsequenz Massenvernichtung in Kauf nehmen würden, hätten nichts mit dem Schutz des Lebens zu tun. „Als Christinnen und Christen sollen wir uns nicht jeder Logik beugen, auch wenn sie noch so einleuchtend daherkommt. Abschreckung klingt realistisch und einleuchtend. Ist sie das im Lichte des Evangeliums? Meine Antwort: Nein!“, so die pfälzische Kirchenpräsidentin. Eine Logik, die Leben schützen wolle, indem sie mit seiner Vernichtung drohe, sei keine Friedenslogik. „Das mag in diesen Tagen simpel, blauäugig und realitätsfremd klingen. Mag sein. Aber ich halte daran fest“, unterstrich die Theologin. 

 „Wir verlangen die Abschaffung von Atomwaffen und wir brauchen konkrete Schritte dafür in Verbundenheit mit all den Menschen, die dieses Ziel teilen. Wir fordern dies weiter ein, auch hier, weil eine Logik der gegenseitigen Abschreckung, eine Logik des Krieges und der Vernichtung keinen Frieden macht“, betonte auch Gregor Rehm. Er sei froh, dass der Initiativkreis gegen Atomwaffen diesen Protest in der Eifel mit den regelmäßigen Friedensgebeten aufrecht halte. „Der Kreis hält her eine wichtige Stimme wach, lebt den Protest, bringt Menschen zusammen. Weil alles Leben von Gott kommt, werden wir uns niemals abfinden mit dem, was hier liegt und es ist gut, wenn wir dafür eintreten, dass solche Waffen niemals zum Einsatz kommen. Wir haben nur eine gemeinsame Erde und auf der wollen wir miteinander leben. Und dafür stehen wir hier in Büchel.“

Die „Ökumenische Initiative Kirche gegen Atomwaffen“, der Christinnen und Christen aus mehreren evangelischen Landeskirchen sowie der katholischen Kirche im Bistum Trier angehören, war im vergangenen Jahr aus der Projektgruppe „Kirchen gegen Atomwaffen“ entstanden, die seit 2018 die jährlichen Kirchlichen Aktionstage am Haupttor des Bundeswehr-Luftwaffenstützpunktes Büchel organisiert hatte und an denen bis zu 1000 Menschen teilnahmen. Erstmals gestaltete nun diese Initiative das monatliche Friedensgebet auf der Friedenswiese am Fliegerhorst in Büchel.