Durch Musik dem Wunsch nach Frieden eine Stimme gegeben

Mit der Bitte  „Gib Frieden in unseren Tagen“ klang die Dommusik im Meißner Dom aus. Für eine Woche waren 54 versierte Chorsängerinnen und Chorsänger aus Deutschland, Schweiz und den Niederlanden zur „Meißner Chorwoche 2015“ unter dem Thema „Da pacem, domine“ zusammengekommen, um Chorwerke zum Thema Frieden einzustudieren. 

Bereits in der Mitte der Probenwoche war der  Chor unter seinem Dirigenten, Domkantor Jörg Bräunig, in der Innenstadt von Meißen auf dem Heinrichsplatz zu einem Offenen Singen zu hören, an dem sich die zahlreichen Zuhörenden beteiligten. Eingeladen hatte das Bündnis „Meißen ist bunt“. Es wurde gegründet, als Anfang Juli Meißen in die Schlagzeilen kam, nachdem ein Brandanschlag auf ein geplantes Asylbewerberheim verübt wurde. In diesem spontanen Open-Air-Konzert waren standen junge Flüchtlinge aus Syrien nicht nur am Rande, sondern wurden einbezogen. 

Die Konzerte an den folgenden Tagen der Chorwoche in zwei sächsischen Kleinstädten Döbeln und Strehla zogen eine große Zuhörerschar an. Es erklangen Werke von Heinrich Schütz, die 1648 im Jahr des Westfälischen Friedens gedruckt wurden. In der Motette „Verleih uns Frieden“ beeindruckte es die Zuhörenden wie die Chorsänger, wie mit der Bitte um „Fried‘ und gut Regiment“  heutige Forderungen nach einer good governance überraschende Aktualität gewinnen. Von Arvo Pärt erklang die Komposition „Da pacem Domine“. Der Este Pärt schrieb diese Komposition für ein Friedenskonzert in Barcelona. Er begann sie zwei Tage nach den Zuganschlägen in Madrid im 2004, sie wird seither jährlich zum Gedenken an die Opfer gesungen. Dem Thema der Chorwoche waren weitere Chorwerke von Max Reger, Rudolf Mauserberger und Johann Sebastian Bach zugeordnet. 

Die Chorwoche wird von der Evangelischen Akademie Meißen in Kooperation mit dem Hochstift Meissen und dem Kirchenchorwerk der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens veranstaltet.  Akademiedirektor Johannes Bilz war begeistert, wie die Kompositionen aus fünf Jahrhunderten der  heute aktuelle Friedensthematik markante Impulse geben. „Die Bemühungen um eine aktuelle Friedenstheologie und FriedensFriedensethik und Friedenstheologie erhalten durch die Musik eine besonders eindrucksvolle und überzeugende Stimme“. Dem gemeinsamen  Projekt der Evangelischen Akademien in Deutschland „Dem Frieden in der Welt zu dienen“  geben diese Konzerte einen besonderen Akzent mit großer Ausstrahlung. An der Bitte um inneren und äußeren Frieden beteiligten sich viele Zuhörer mit dem in der Wendezeit 1989/90 oft gesungenen Kanon „Dona nobis pacem“. 

Kaum jemand konnte sich bei der abschließenden Chormusik im Meißner Dom der Kraft einer verstörenden  und zugleich faszinierenden Komposition des Meißner Domkantors zu dem alten Kanon „Da pacem Domine“ entziehen, die diese alte Bitte mit überraschenden musikalischen Mitteln aufbricht und wieder zusammenführt. Als der Chor nach einer singenden Prozession durch den ehrwürdigen Dom mit dem Blick zum großen Kreuz über dem Lettner stand, löste sich aus dem Stimmengewirr das eindrucksvoll gesprochene Gebet „Gib Frieden in unseren Tagen“.