Zeitung: Bundesamt meldet zunehmende Zahl radikalisierter Mädchen

Osnabrück (epd). In Deutschland radikalisieren sich offenbar immer mehr muslimische Mädchen. Die Beratungsstelle Radikalisierung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge verzeichnet einen deutlichen Anstieg entsprechender Beratungen, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" (Samstagsausgabe) berichtet. Im Jahr 2015 seien in knapp der Hälfte aller Beratungsfälle Mädchen betroffen gewesen. Zuvor habe ihr Anteil etwas mehr als ein Viertel betragen. Seit der Freischaltung ihrer Hotline 2012 seien bei der Beratungsstelle mehr als 2.500 Anrufe eingegangen.

Der Osnabrücker Islamwissenschaftler Michael Kiefer sagte der Zeitung, es seien "bereits 13-Jährige unter den Mädchen, die sich radikalisieren". Die Altersgrenze verschiebe sich immer weiter nach unten. Anders als bei Jungen, die häufig provozierten und konfrontativ seien, vollziehe sich die Radikalisierung von Mädchen im Stillen, erläutete Kiefer: "Wir sprechen von einer Kinderzimmerradikalisierung."

Ende August hatte die Bundesanwaltschaft eine heute 16-jährige Deutsch-Marokkanerin aus Hannover wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung beim Oberlandesgericht in Celle angeklagt. Die damals 15 Jahre alte Safia S. habe am 26. Februar im Auftrag der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) versucht, im hannoverschen Hauptbahnhof einen Bundespolizisten mit einem Messer zu töten, lautete der Vorwurf.