Zahl der Opfer nach Protesten in Kamerun steigt
Genf/Jaunde (epd). Die Zahl der Toten nach Protesten von Separatisten im Südwesten Kameruns ist offenbar höher als zunächst angenommen. Amnesty International sprach am Dienstag von 17, Kameruns Oppositionsführer John Fru Ndi von mindestens 30 Toten. Zunächst war von acht Toten die Rede gewesen. Die Lage in der englischsprachigen Region des zentralafrikanischen Landes war am Dienstag weiter angespannt. Die Regierung stellte das Internet ab.
Augenzeugen berichteten, die Städte, in denen am Wochenende Hunderte Menschen für die Unabhängigkeit Südwest-Kameruns demonstriert hatten, seien abgeriegelt, die Straßen menschenleer. In der Nacht habe es Schüsse gegeben.
Fru Ndi machte im britischen Hörfunksender BBC die Armee für die Gewalt und die Toten verantwortlich. Mindestens 50 Menschen sollen demnach verletzt worden und gut 200 verhaftet worden sein. Auch Amnesty International sprach von exzessiver Gewalt, mit der die Regierung von Präsident Paul Biya die Proteste in der Region niederschlagen wolle.
Die Separatisten, die die Gründung des Staats "Ambazonien" und eine Vereinigung mit dem Osten Nigerias fordern, haben breite Unterstützung in der Region. Das liegt auch an der autoritären Politik der Regierung Biya, der seit 35 Jahren im Amt ist. Die Englisch sprechenden Kameruner werfen Biya vor, ihren Landesteil bewusst zu vernachlässigen. Armee und Behörden waren schon in den vergangenen Wochen massiv gegen Demonstranten vorgegangen und hatten zeitweise das Internet im ganzen Landesteil abgestellt. Im Großteil Kameruns wird Französisch gesprochen.