Wüst: Mehr globale Gerechtigkeit hilft bei Friedenssuche

Die neue Friedensdenkschrift der evangelischen Kirche eröffnet nach Ansicht der Pfälzer Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst "Diskussionsräume": Für den richtigen Weg zum Frieden gebe es keine eindeutige Antwort.

Landau (epd). Die pfälzische Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst hat sich dafür ausgesprochen, bei der Suche nach Frieden stärker die Ursachen für weltweite Konflikte in den Blick zu nehmen. Es dürfe nicht in erster Linie auf militärische Sicherheit gesetzt werden, sondern auf mehr Verteilungs- und Klimagerechtigkeit, sagte Wüst am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion in Landau. Anlass war eine Tagung der Evangelischen Akademie der Pfalz zur neuen Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland, (EKD). Diese will Impulse für eine christliche Friedensethik in einer sich verändernden Weltlage bieten.

Wüst begrüßte „grundsätzlich“ die vergangenen November veröffentlichte EKD-Denkschrift. Diese gibt unter dem Titel „Welt in Unordnung - Gerechter Friede im Blick“ dem Schutz vor Gewalt und der Verteidigungsfähigkeit einen Vorrang. Alle diplomatischen Mittel müssten vor der Anwendung von Gewalt ausgeschöpft werden, betonte die Kirchenpräsidentin. Den Einsatz nuklearer Waffen schloss sie aber kategorisch aus.

Denkschrift eröffnet Diskussionsräume

Die rund 150-seitige Denkschrift gebe keine Antworten auf die Frage, wie der Frieden erreicht werden könne, machte Wüst deutlich. Vielmehr eröffne sie „Diskussionsräume“ für Kirche und Gesellschaft und wolle zum Denken anleiten. Das unauflösbare Spannungsfeld zwischen christlichem Pazifismus und dem möglichen Einsatz von Gewalt bei Konflikten sei für die Kirche „ein unbefriedigender Spagat“, sagte Wüst. Dennoch sei das Dokument ein Beitrag zur Friedenskultur. „Wir suchen alle den Frieden und jagen ihm nach, hoffentlich in gegenseitiger Achtung.“

Schiefer Blick auf „Welt in Unordnung“

Der Augsburger Friedensforscher Christoph Weller kritisierte hingegen, dass die evangelische Kirche mit ihrer Friedensdenkschrift die pazifistische Idee der Gewaltloskeit aufgegeben habe. Der westliche Blick auf eine „Welt in Unordnung“ sei schief und ignorant: „Wenn wir uns um unsere Sicherheit kümmern, bedrohen wir andere“, sagte Weller.

Veranstalter der einschließlich bis Freitag dauernden Tagung ist die Evangelische Akademie der Pfalz in Kooperation mit der Friedensakademie Rheinland-Pfalz und dem Friedensinstitut der Evangelischen Hochschule Freiburg.