Wehrbeauftragter sieht Nachbesserungsbedarf bei Traditionserlass

Essen (epd). Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels (SPD), mahnt eine breite Diskussion in der Bundeswehr über den Umgang mit der Vergangenheit an. Im Prinzip sei der Entwurf von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) für einen neuen sogenannten Traditionserlass "eine gute Sache", sagte Bartels den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe (Montag). Wichtig sei, dass er breit in der Truppe diskutiert und der Verteidigungsausschuss einbezogen werde. Doch er sehe auch Nachbesserungsbedarf. 

"Wenn ich etwas vermisse, dann das Stichwort Europa, auch die Frauen und die Soldaten mit Migrationshintergrund kommen im Erlass nicht vor", bemängelte Bartels. Er kritisierte auch als "ein bisschen unglücklich", wie die NVA der DDR und die Wehrmacht im Nationalsozialismus nebeneinandergestellt würden. "Das passt historisch nicht." Bartels regte zudem an, noch klarer zu begründen, warum die Wehrmacht nicht traditionsstiftend sein könne. 

In welcher Tradition sich die Bundeswehr sieht, ist bislang im Traditionserlass von 1982 geregelt. Nach dem Fall des rechtsextremen und terrorverdächtigen Oberleutnants Franco A. und dem Fund von Wehrmachtsandenken in Kasernen will die Verteidigungsministerin von der Leyen diesen überarbeiten.