Wehrbeauftragte Högl: Ausstattungsmängel machen fassungslos

Hannover (epd). Die neue Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) hat gefordert, die seit Jahren mangelhafte persönliche Ausstattung der Bundeswehr-Soldaten durch schnellere und effizientere Entscheidungsverfahren zu verbessern. "Die Bürokratie ist ein Problem: Manches wird extra für die Bundeswehr entworfen - obwohl die Sachen quasi im Laden zu kaufen sind", sagte sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND/Montag). "Da müssen viele Prozesse vereinfacht werden."

Högl forderte mehr Verantwortungsbewusstsein, klarere Entscheidungsstrukturen und mehr Flexibilität. Es mache sie fassungslos, "dass es bei der Ausstattung mit Schutzwesten, Jacken, Stiefeln und Helmen so hakt". Die Soldatinnen und Soldaten warteten zum Teil lange auf die richtige Ausrüstung. "Das ist ein Quell von Frustration, der nun wirklich nicht sein muss."

Verbessert werden müsse zudem die psychologische Betreuung von Soldaten. "Eine gute Einsatznachbereitung ist sehr wichtig", sagte Högl. Die Elitetruppe Kommando Spezialkräfte (KSK) habe etwa gute psychologische Betreuung, aber bisher keine Therapiemöglichkeiten. "Das zu verbessern ist wichtig."

Für den Fall der Beschaffung bewaffneter Drohnen müssten auch deren Piloten gut betreut werden. "Denn diese Aufgabe ist eine enorme Belastung", betonte die Wehrbeauftragte.  "Viele Soldaten merken erst nach Jahren, dass sie etwas belastet." Dies sei oft nicht auf ein Ereignis zurückzuführen, "sondern auf die Häufigkeit von Einsätzen, auf Stress und Ängste". 

Die Corona-Krise könnte nach Einschätzung von Högl dazu beitragen, den Personalmangel der Bundeswehr zu reduzieren. "Ich hoffe, dass durch Corona viele sehen, wie wertvoll es ist, einen krisensicheren Arbeitgeber wie die Bundeswehr zu haben." 20.000 Dienstposten oberhalb der Mannschaftsdienstgrade seien unbesetzt. Das seien zu viele.

Wichtig sei auch, dass die Bundeswehr die Vereinbarkeit von Familie und Dienst verbessere. "Die Soldatinnen und Soldaten bekümmert vor allem die fehlende Planbarkeit. Familien brauchen Perspektiven. Sie müssen wissen, wann es wohin geht. Mindestens die nächsten drei Jahre müssen überschaubar sein", sagte sie. "Das viele Pendeln macht die Bundeswehr unattraktiv." Die Corona-Erfahrung habe zudem gezeigt, dass mehr Dienstposten für Homeoffice in Frage kommen als bisher gedacht. "Das sollte beibehalten werden."