USA greifen Venezuela an und wollen Maduro vor Gericht stellen

Donald Trump hat seine Drohungen wahr gemacht: US-Militärs greifen Venezuela an und nehmen den Präsidenten Nicolás Maduro fest. Er soll vor Gericht kommen, und die USA wollen auf unbestimmte Zeit die Kontrolle in Venezuela übernehmen.

Frankfurt a.M./Caracas (epd). Die USA haben Venezuela angegriffen und den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro festgenommen. Maduro wurde nach dem Angriff in der Nacht zum Samstag außer Landes gebracht. In sozialen Netzwerken berichteten Nutzer von Kampfflugzeugen über der Hauptstadt Caracas, Explosionen und Stromausfällen in verschiedenen Landesteilen. UN-Generalsekretär António Guterres und Vertreter der EU äußerten sich besorgt über den Militärschlag und verwiesen auf die Regeln des Völkerrechts, die einzuhalten seien.

US-Präsident Donald Trump sagte bei einer Fernsehansprache wenige Stunden nach dem Angriff, kein einziger US-Soldat sei ums Leben gekommen. Die US-Streitkräfte hätten das venezolanische Militär „vollkommen überwältigt und ausgeschaltet“. Maduro, der zusammen mit seiner Ehefrau Cilia Flores festgenommen wurde, werde vor Gericht gestellt. Er befinde sich auf einem US-Schiff auf dem Weg in die USA. Der 63-Jährige hatte seit 2013 in Venezuela zunehmend autoritär regiert.

Die USA wollen laut Trump auf unbestimmte Zeit die Kontrolle in dem Land übernehmen, bis ein „ordnungsgemäßer Transfer“ der Macht erfolgen könne. US-Außenminister Marco Rubio habe mit der venezolanischen Vizepräsidentin Delcy Rodríguez gesprochen. Sie sei kooperativ.

Rodríguez hatte zuvor erklärt, dass bei dem Angriff Soldaten und Zivilisten getötet worden seien. Die Zahl der Todesopfer sei noch unbekannt.

Ausnahmezustand ausgerufen

Die venezolanische Regierung erklärte den Ausnahmezustand. Verteidigungsminister Vladimir Padrino López sagte unmittelbar nach dem Militärschlag laut der staatlichen Nachrichtenagentur AVN, die Streitkräfte des Landes seien bereit zu agieren und stünden fest hinter den Entscheidungen der Regierung.

Seit längerem hatte die US-Regierung mit einem Angriff auf venezolanisches Staatsgebiet gedroht und das damit begründet, gegen Drogenproduktion und -handel vorgehen zu wollen. Die US-Marine hatte in der jüngsten Vergangenheit bereits mehrere Fischerboote aus Venezuela und Kolumbien versenkt, die Drogen transportiert haben sollen. US-Präsident Trump sagte mehrmals, einen Regimewechsel in Venezuela herbeiführen zu wollen, zur Not auch militärisch.

US-Firmen sollen Ölindustrie übernehmen

Venezuela besitzt große Ölvorkommen. Das Land hatte die Erdölindustrie in den 70er Jahren verstaatlicht. Trump erklärte, große US-Firmen würden nun in Venezuela die „Infrastruktur“ wieder aufbauen.

UN-Generalsekretär António Guterres ist nach Angaben eines Sprechers „zutiefst besorgt“, dass bei dem Militärschlag die Regeln des Völkerrechts nicht eingehalten wurden. Unabhängig von der Lage in Venezuela stellten diese Entwicklungen einen gefährlichen Präzedenzfall dar, heißt es in einer Erklärung. Nach Angaben der Vereinten Nationen hat Venezuela den UN-Sicherheitsrat um eine Dringlichkeitssitzung in New York gebeten.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte, die Europäische Union (EU) beobachte die Lage sehr genau, die Sicherheit der EU-Bürger in Venezuela habe oberste Priorität. Die EU habe wiederholt erklärt, dass Maduro die Legitimation als Präsident fehle und sich für einen friedlichen Wechsel ausgesprochen.

„Unter allen Umständen müssen die Grundsätze des Völkerrechts und der Charta der Vereinten Nationen eingehalten werden“, schrieb Kallas im Netzwerk X und fügte hinzu: „Wir rufen zur Zurückhaltung auf.“ EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb ebenfalls bei X, die EU unterstütze einen friedlichen und demokratischen Übergang.

Reisewarnung des Auswärtigen Amtes

Deutsche Regierungsangehörige äußerten sich zunächst nicht. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte, der Krisenstab der Bundesregierung sei am Samstag zusammengetreten. Für ganz Venezuela gelte eine Reisewarnung. Deutsche im Land seien aufgerufen, an einem sicheren Ort zu bleiben. „Wir rufen alle Beteiligten auf, nichts zu tun, was zu einer Zuspitzung der Lage führen könnte und Wege zu einer politischen Beilegung zu suchen. Völkerrechtliche Normen sind einzuhalten“, sagte die Sprecherin.

Der US-Angriff erinnert an einen Militärschlag gegen Panama vor 36 Jahren. Am 3. Januar 1990 hatten US-Streitkräfte den dortigen Staatschef Manuel Noriega festgenommen und in die USA gebracht. Noriega wurde wegen Drogenschmuggels zu einer langen Haftstrafe verurteilt, er starb im Mai 2017. Bei der vom republikanischen Präsidenten H.W. Bush angeordneten Invasion sollen in Panama mehrere hundert Menschen ums Leben gekommen sein. Die Invasion begann kurz vor Weihnachten 1989.

Bereits Trumps Vorgänger Joe Biden hatte sich gegen den venezolanischen Präsidenten Maduro gestellt. In Bidens letzten Tagen im Amt hatte die US-Regierung im Januar 2025 die Belohnung für Informationen auf bis zu 25 Millionen Dollar erhöht, die zu Maduros Festnahme führen könnten. Maduro wurde eine gewaltsame Unterdrückung der Opposition vorgeworfen.