UN und Rotes Kreuz verlangen Ende der Gewalt im Jemen

Genf (epd). Die Vereinten Nationen und das Rote Kreuz haben von den Kriegsparteien im Jemen eine Einstellung der Kämpfe gefordert. Das immense Leiden der Zivilisten in dem arabischen Land müsse beendet werden, verlangte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Freitag in Genf. Die humanitäre Lage der Menschen sei katastrophal.

Eine politische Lösung für den Jemen sei dringend geboten, erklärte Fabrizio Carboni, der Regionaldirektor für den Nahen und Mittleren Osten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Carboni betonte, dass alle Kriegsparteien das humanitäre Völkerrecht missachteten. Er verurteilte die Angriffe auf Zivilisten und zivile Einrichtungen in der heftig umkämpften Hafenstadt Hodeidah.

Im Jemen kämpfen die Regierung und eine Militärkoalition unter Führung von Saudi-Arabien gegen Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden. Der Jemen-Konflikt steht am Freitag auf der Tagesordnung des UN-Sicherheitsrates in New York.

Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sind 80 Prozent der Gesamtbevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen. Nahezu alle Bereiche des Alltags seien von den Folgen des anhaltenden bewaffneten Konfliktes in dem Land betroffen, erklärte Christof Johnen, Leiter der Internationalen Zusammenarbeit beim DRK. 

Laut DRK haben von den 27 Millionen Menschen, die im Jemen leben, rund 18 Millionen nicht genug zu essen. Etwa drei Millionen Frauen und Kinder gelten als akut unterernährt. Rund 15 Millionen Jemeniten haben demnach keinen Zugang zu einfachster medizinischer Versorgung, da mehr als die Hälfte aller Gesundheitseinrichtungen nicht mehr funktionsfähig, beschädigt oder zerstört seien. 

Die Grünenpolitikerin Barbara Lochbihler, Vizepräsidentin des Menschenrechtsausschuss im Europäischen Parlament, verlangte einen sofortigen Stopp für den Verkauf aller Rüstungsgüter durch EU-Staaten an die Kriegsparteien. Die EU-Staaten seien mitverantwortlich für das Leiden der Zivilbevölkerung und machten sich zu Komplizen von Kriegsverbrechern, wenn sie nicht ein Waffenembargo verhängten und einhielten, betonte Lochbihler. Am Montag wollen sich die EU-Außenminister mit dem Jemen-Konflikt befassen.

In dem Krieg wurden seit 2015 nach UN-Angaben Tausenden Zivilisten getötet und mehr als 10.000 verletzt. UN-Ermittler werfen allen Konfliktparteien das Verüben von Kriegsverbrechen vor. Bei einem Cholera-Ausbruch erkrankten mehr als eine Million Menschen.