UN-Chef verurteilt neue Gewalt in Zentralafrikanischer Republik

Genf/Bangui (epd). UN-Generalsekretär António Guterres hat die jüngste Gewalt in der Zentralafrikanischen Republik verurteilt. Bei einem Anschlag von Milizen auf eine Basis der UN-Mission im Südwesten des Landes war am Freitag ein tansanischer Blauhelm-Soldat getötet worden. Die Einsatzkräfte der Minusca-Mission hatten Zivilisten geschützt, die auf dem Gelände der Basis Zuflucht gesucht hatten. Bereits am Vortag hatten Kämpfer einer anderen Rebellengruppe ein Flüchtlingscamp im Zentrum des Landes überfallen und mindestens 37 Menschen getötet. Guterres rief zur Ahndung der Taten auf und betonte, Angriffe auf Blauhelme und Zivilisten könnten Kriegsverbrechen darstellen.

In den vergangenen Wochen haben die Kämpfe zwischen verfeindeten Milizen in der Zentralafrikanischen Republik wieder zugenommen. Hilfsorganisationen warnen vor einer dramatischen Eskalation des seit sechs Jahren wütenden Bürgerkriegs. Der Vorsitzende des Norwegischen Flüchtlingsrats, Jan Egeland, nannte die bisherigen Bemühungen von UN und Geberstaaten unzureichend. Auch spielten weder die Regierung in Bangui noch die Nachbarstaaten eine positive Rolle zur Beilegung der Konflikte. Das Ausmaß der Gewalt, vor allem systematischer Vergewaltigungen, sei unvorstellbar.

Die Weltgemeinschaft ist über den Umgang mit dem Konflikt zerstritten. Der UN-Sicherheitsrat hat die Minusca-Mission vergangene Woche nur vorläufig verlängert. Während Russland einen eigenen Friedensprozess lanciert hat und russische Truppen in der Zentralafrikanischen Republik stationieren will, spricht sich Frankreich für von der Afrikanischen Union geführte Friedensgespräche und eine Stärkung von Minusca aus. Weil die USA im Etat der UN-Militärmissionen sparen wollen, gilt eine Aufstockung der 12.000 Mann starken Mission, die humanitäre Helfer wie Egeland für dringend geboten halten, als unwahrscheinlich.

Der ehemalige Chef der Rebellengruppe Anti-Balaka, Alfred Yekatom, muss sich unterdessen vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten. Die Behörden in Bangui hatten den 43-jährigen am Wochenende in einem Privatjet ausgeflogen. Es ist das erste Mal seit Beginn des Bürgerkriegs, dass sich ein Rebellenchef in Den Haag verantworten muss. Yekatom werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt. Er soll gezielt Muslime verfolgt, Zivilisten getötet und Kindersoldaten rekrutiert haben.