UN beschließen Überwachung von Aleppo-Evakuierung

New York/Genf (epd). UN-Beobachter sollen die Evakuierung von Ost-Aleppo überwachen. Dies beschloss der UN-Sicherheitsrat einstimmig am Montag in New York. Demnach werden Mitarbeiter der Vereinte Nationen, des Roten Kreuzes und des Syrisch-Arabischen Roten Halbmondes den Prozess der Ausreise von Zivilisten und Rebellen aus der umkämpften syrischen Stadt begleiten. Zudem sollten humanitäre Helfer die verbliebenen Menschen in Ost-Aleppo versorgen können. 

Weiter entschied der Sicherheitsrat auf Initiative Frankreichs hin, dass Krankenhäuser und medizinisches Personal unter besonderen Schutz stehen sollen. Frankreichs Botschafter bei den UN, François Delattre, erklärte, die Resolution solle ein neues "Srebrenica" in Aleppo verhindern. In Srebrenica wurden 1995 während des Bosnienkriegs mehr als 8.000 Menschen massakriert. UN-Diplomaten hatten in den vergangenen Tagen immer wieder von Gräueltaten an evakuierten Menschen aus der früheren Rebellenhochburg Ost-Aleppo berichtet. Dafür sollen vor allem Regierungs-Truppen verantwortlich sein.

Russlands Botschafter Witali Tschurkin erklärte, seine Regierung habe keine Einwände mehr gegen die Entsendung von Beobachtern. Die Resolution müsse jedoch ordentlich umgesetzt werden. Russland hatte zunächst eine UN-Mission mit dem Hinweis abgelehnt, dass die Beobachter nicht genügend auf ihre Aufgabe vorbereitet seien. 

Am Donnerstag hatte die Evakuierung Ost-Aleppos begonnen, wurde jedoch vom Regime von Machthaber Baschar al-Assad vorübergehend unterbrochen. Das Militär hatte das Gebiet nach wochenlangen Kämpfen nahezu vollständig erobert. Dabei wurden sie von der russischen Luftwaffe und iranischen Einheiten unterstützt.

Amnesty International hatte vor der Abstimmung im Sicherheitsrat gewarnt, den Menschen in Ost-Aleppo drohe das Schlimmste. Anstatt auf sicherem Weg das Gebiet verlassen zu können, stehe ihnen Gefangennahme, Folter und Hinrichtung bevor. Die Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel, erklärte, dass den Beobachtern eine schwere Mission bevorstehe. Nach der militärischen Offensive auf den Ostteil Aleppos säßen Zehntausende Menschen in der syrischen Stadt fest, darunter viele Kinder. 

Das Deutsche Rote Kreuz beklagt die anhaltend dramatische humanitäre Lage in Ost-Aleppo. "Alle Konfliktparteien brechen das humanitäre Völkerrecht und damit den Schutz der Bevölkerung", sagte Christoph Johnen, der bei der Hilfsorganisation für Internationale Zusammenarbeit zuständig ist, der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" (Montag). "Die Zivilbevölkerung wird als Mittel des Krieges eingesetzt."

In dem seit 2011 andauernden Krieg in Syrien kämpfen das Assad-Regime, Rebellen und Terroristen um die Macht. Hunderttausende Menschen starben bislang. Millionen sind auf der Flucht.