Tote bei Protesten im Südwesten Kameruns
Jaunde/Genf (epd). Bei Protesten von Separatisten in Kamerun sind am Sonntag mindestens acht Menschen getötet worden. Journalisten in dem zentralafrikanischen Staat berichteten am Montag, die Armee sei mit äußerster Gewalt gegen Demonstranten im Südwesten des Landes vorgegangen, die die Unabhängigkeit des englischsprachigen Teils Kameruns fordern. Bei fünf der acht Toten soll es sich nach Berichten des englischen Senders BBC um Häftlinge handeln, die nach einem Brand des Gefängnisses von Soldaten erschossen wurden. Ein weiterer Mann wurde demnach in der Stadt Kumbo erschossen, als er eine Unabhängigkeitsflagge hisste.
Amnesty International forderte am Montag ein sofortiges Ende der Gewalt. Die Lage ist unübersichtlich, auch weil es in Kamerun kaum unabhängige Medien gibt. Dem französischen Rundfunksender RFI zufolge hatten seit Samstag Hunderte vor allem jugendliche Demonstranten in den Städten des ehemals britischen Region Kameruns demonstriert. Die seit Monaten anhaltenden Proteste waren am Wochenende eskaliert. So hätten gut 700 Protestierende Regierungsgebäude und Polizeistationen in Ekok an der Grenze zu Nigeria gestürmt, berichtete der Sender Voice of America.
Die Separatisten, die die Gründung des Staats "Ambazonien" und eine Vereinigung mit dem Südosten Nigerias fordern, haben breite Unterstützung in der Region. Das liegt auch an der Politik der autoritären Regierung von Präsident Paul Biya, der seit 35 Jahren im Amt ist. Die Englisch sprechenden Kameruner werfen Biya vor, ihren Landesteil bewusst zu vernachlässigen. Armee und Behörden waren schon in den vergangenen Wochen massiv gegen die Protestierenden vorgegangen und hatten zeitweise das Internet im ganzen Landesteil abgestellt.