Tote bei Generalstreik im Sudan

Genf/Khartum (epd). Im Sudan sind bei einem von der Opposition ausgerufenen Generalstreik nach deren Angaben bis zum Montag mindestens vier Menschen erschossen worden. Das Zentrum der Hauptstadt Khartum sei auch am zweiten Tag der Proteste gegen die herrschende Militärjunta nahezu ausgestorben, sagte ein Sprecher der Opposition der "Sudan Tribune". Gut neun von zehn Sudanesen seien dem Streikaufruf der Opposition gefolgt. Die Junta kündigte an, die Präsenz von Soldaten und den berüchtigten schnellen Unterstützungstruppen (RSF) zu verstärken.

Bei den Toten handelt es sich nach Angaben des oppositionellen Zentralkomitees sudanesischer Ärzte um Demonstranten, die in unterschiedlichen Vierteln Khartums Straßensperren errichtet hatten. Diese hätten Schusswunden im Genick oder der Brust erlitten. Die oppositionelle Sudanese Professionals Association erklärte, viele Streikende seien festgenommen worden. Damit sollten offenbar Mitarbeiter von Banken, Behörden und Infrastruktureinrichtungen zur Arbeit gezwungen werden.

Unterdessen wurden drei der vier zuletzt verhafteten Oppositionsführer am Montag freigelassen, wie die staatliche Nachrichtenagentur SUNA meldete. Das Schicksal des vierten Inhaftierten, eines Gewerkschaftsführers, war unklar. Die Militärjunta warf der Opposition am Montag vor, kriminelle Banden auf die Straßen geschickt zu haben, um damit ihren Generalstreik durchzusetzen. Die Errichtung von Straßensperren sei rechtswidrig und verletze die politische Handlungsfreiheit, sagte ein Mitglied des sogenannten Militärrats, General Gamal Omer, im staatlichen Fernsehen.

Die sudanesische Opposition hatte am Sonntag, dem ersten Arbeitstag nach dem Ramadan, zum unbegrenzten Generalstreik bis zur Einsetzung einer zivilen Regierung aufgerufen. Das Militär wird für ein Blutbad im Zentrum der Hauptstadt Khartum verantwortlich gemacht. RSF-Einheiten hatten vor einer Woche ein Protestcamp vor dem Hauptquartier der Armee angegriffen. Dabei wurden nach Angaben der Opposition bisher 118, nach denen der Regierung mehr als 60 Menschen getötet.

Die Afrikanische Union hatte daraufhin die Mitgliedschaft Sudans suspendiert und die umgehende Rückkehr zu einer zivilen Regierung gefordert. Die UN fordern eine unabhängige Aufklärung der Vorfälle und die Festnahme der Verantwortlichen. Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed hatte sich am Freitag mit Unterhändlern beider Seiten getroffen, um für eine Verhandlungslösung zu werben.

Die RSF-Einheiten bestehen aus ehemaligen Dschandschawid-Milizen, die bereits im Darfurkonflikt für schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich waren. Augenzeugen zufolge durchkämmen ihre Einheiten Wohnviertel und sind für Plünderungen und Vergewaltigungen verantwortlich.

Das Militär hatte im April nach monatelangen Protesten der Bevölkerung Langzeitherrscher Omar al-Baschir gestürzt. Seitdem haben sich Militär und Opposition nicht auf eine Übergangsregierung einigen können, weil die Armeeführung an der Macht festhält.