Soziologe warnt vor zunehmender Radikalisierung bei jungen Menschen
Vor einer wachsenden Radikalisierung unter jungen Menschen warnt der Soziologe Robert Grimm. Angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten könnten sich Angehörige der Generation Z "viel stärker radikalisieren, als wir heute erahnen", mahnt er.
Aachen/Hamburg (epd). Der Soziologe und Meinungsforscher Robert Grimm warnt vor einer Radikalisierung in der sogenannten Generation Z. Angesichts wachsender wirtschaftlicher Unsicherheiten, eines bröckelnden Wohlstandsnarrativs und veränderter Arbeitsmarktbedingungen könnten sich die Angehörigen der zwischen 1996 und 2010 geborenen Generation „viel stärker radikalisieren, als wir heute erahnen“, sagte er im Gespräch mit der „Kirchenzeitung für das Bistum Aachen“. Grimm verweist in diesem Zusammenhang auf eine internationale Ipsos-Umfrage in 29 Ländern zu Gleichstellung, Rollenbildern und gesellschaftlichen Einstellungen zum diesjährigen Weltfrauentag am 8. März. In Deutschland vertraten junge Männer der Generation Z dabei häufiger traditionelle Auffassungen zur Rollenverteilung als ältere Generationen.
Grimm führt diese Entwicklung unter anderem auf veränderte Rahmenbedingungen zurück. Während die „Gen Z“ in vielen westlichen Ländern in einer Phase wirtschaftlicher Stabilität und gesellschaftlicher Offenheit aufgewachsen sei, hätten sich die Perspektiven inzwischen deutlich verschlechtert. Der Arbeitsmarkt sei durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Umbruch, klassische Einstiegsjobs für Akademiker verschwänden zunehmend. Gleichzeitig wachse die Sorge vor sozialem Abstieg, einem schwächeren Wohlfahrtsstaat und längeren Lebensarbeitszeiten.
Thema Klimaschutz verliert an Bedeutung
Diese Unsicherheiten spiegelten sich auch in politischen Einstellungen. Themen wie Inflation, Migration, Kriminalität und geopolitische Konflikte rückten zunehmend in den Fokus, während etwa der Klimaschutz an Bedeutung verliere. „Die wirtschaftlichen Sorgen treten stärker in den Vordergrund - auch bei jungen Menschen“, betonte Grimm, der auch Leiter der Abteilung für Politforschung bei Ipsos ist.
Insgesamt beobachtet Grimm eine breitere gesellschaftliche Verschiebung. Die bislang dominierenden linksliberalen Positionen würden zunehmend hinterfragt, Debatten über Migration, Sozialstaat und Gleichstellung offener geführt. „Jede Generation grenzt sich von der vorherigen ab. Wenn das Establishment sehr liberal ist, wird die Gegenbewegung eher konservativ.“