Republikaner in Deutschland erwarten Grönland-Deal statt Annexion
Die Forderung von US-Präsident Trump, Grönland den USA einzuverleiben, sorgt nicht nur bei Verbündeten in NATO und EU für Kritik. Auch Parteifreunde wie Ralph Freund von den "Republicans Abroad" in Deutschland gehen auf Distanz.
Frankfurt a.M. (epd). Der Vizepräsident der „Republicans Abroad“ in Deutschland, Ralph Freund, rechnet nicht mit einer Angliederung Grönlands an die USA. Die Verbündeten der Vereinigten Staaten im Verteidigungsbündnis NATO oder in der Europäischen Union werden Trump zwar „nicht abblitzen lassen“, wie Freund im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Frankfurt am Main sagte. Doch man werde „verhandeln in dem Sinne, dass man dort sicherheitspolitisch mehr agieren möchte, dass vielleicht auch die europäischen NATO-Partner ihr Scherflein dazu beitragen und dass es möglicherweise Konzessionen oder Lizenzen geben wird im Bereich Verwertung von Bodenschätzen“.
Der US-Präsident wird nach der Prognose seines kritischen Parteifreundes „irgendeinen Vertrag bekommen, mit dem er sich brüsten kann, was er alles erreicht hat“. Gleichwohl warnte Freund vor den Expansionsbestrebungen des US-Republikaners: „In Wahrheit geht es ihm ums Prestige. Er möchte Land haben!“
Kanada oder Grönland statt Panama
Freund unterstrich, Trump strebe „eine Ausweitung des US-Staatsgebiets“ an. Dabei denke der Präsident weniger an Panama, auf dessen Panama-Kanal er im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit ebenfalls bereits Anspruch erhoben hat. Ins Auge gefasst hat Trump nach Freunds Worten „Länder wie Kanada oder Grönland, was natürlich eine ganz andere Relevanz hätte“.
Die nötigen Mehrheiten für eine möglicherweise militärische Annexion Grönlands sehe er jedoch auch in den USA „politisch im Augenblick in keinster Weise“, sagte der Vertreter der Republikaner hierzulande. Nicht nur oppositionelle Demokraten lehnten das ab, sondern auch mehrere republikanische Senatoren hätten angekündigt, dem nicht zuzustimmen.
Nur knappe Mehrheit im Kongress
Die ursprüngliche republikanische Mehrheit in der entscheidenden Parlamentskammer sei unter Trump von elf auf sechs geschmolzen und durch einen Todesfall inzwischen sogar auf fünf. Bei der Nachwahl für den durch den Todesfall frei gewordenen Sitz scheine es für die oppositionellen Demokraten zu laufen. Wenn bei den im November anstehenden Zwischenwahlen in den USA noch drei Sitze an die Demokraten gehen sollte, „ist die Mehrheit weg“, erklärte Freund.
Bis zum Herbst müssten somit alle innenpolitischen Gesetzgebungsverfahren angestoßen sein. Außenpolitisch könne Trump aber auch danach noch „Akzente setzen“.
„'America first' heißt eben nicht 'America alone'“
Die Trump-kritische Haltung von „Republicans Abroad“ erklärte deren Vizepräsident mit der Prägung durch das Leben hierzulande: Amerikaner, die hier arbeiteten, sähen, was die transatlantische Handels-, Sicherheits- und Bündnis-Partnerschaft zwischen Westeuropa und den USA ihnen gebracht habe. Sie könnten mit den isolationistischen Republikanern um Trump „nicht viel anfangen“. Freund sagte mit Blick auf Trumps Motto: „'America first' heißt eben nicht 'America alone', sondern man braucht eben auch die anderen.“
Das Interview im Wortlaut:
epd: Seit seinem zweiten Amtsantritt vor einem Jahr erhebt US-Präsident Donald Trump Anspruch auf Grönland. Warum?
Freund: Seit Trumps Amtsantritt am 20. Januar 2025 ist viel passiert. Zum Thema Grönland muss man erst mal die Voraussetzungen kennen: Die USA haben einen Vertrag mit Grönland geschlossen und das schon in Zeiten des Kalten Kriegs im Laufe der 1950er Jahre. Er gewährt den USA derzeit ohnehin sehr große Möglichkeiten, vor allen Dingen sicherheitspolitisch. Das heißt, Sie können dort Basen einrichten. Sie könnten Tiefseehäfen errichten. Noch haben Sie keinen ganz großen Tiefseehafen. Sie könnten sich also dort innerhalb der bestehenden Vertragsbestimmungen sehr, sehr stark ausweiten, was Verteidigung angeht - allerdings nicht, was die Verwertung von Bodenschätzen anginge. Das beinhaltet der Vertrag nicht. Trump hat sich sehr stark festgelegt. Es geht ihm natürlich vordergründig um die angeblichen Ressourcen und angeblichen sicherheitspolitischen Bedenken. Der eigentliche Kern ist ein ganz anderer. Er möchte nach außen eine Ausweitung des US-Staatsgebietes haben und da bringt ihm Panama herzlich wenig, sondern da denkt er mehr an Länder wie Kanada oder Grönland, was natürlich eine ganz andere Relevanz hätte. Ich glaube, darum geht es ihm, um nichts anderes.
epd: Wie realistisch sind denn Trumps Aussichten auf Grönland?
Freund: Er bräuchte dafür eine Zweidrittelmehrheit im Senat und im Kongress. Für ein militärisches Eingreifen bräuchte er die Mehrheit des Senats. Beides ist nicht absehbar. Bei einem Krieg muss er 60 Tage später den Senat befragen. Die nötigen Mehrheiten sehe ich politisch im Augenblick in keinster Weise. Mehrere, nicht nur demokratische Senatoren, auch republikanische Senatoren haben gesagt, dem werden sie nicht zustimmen.
„Es wird keine Annexion kommen“
epd: Wagen Sie eine Prognose? Bekommt er Grönland?
Freund: Es wird keine Annexion kommen. Man wird verhandeln in dem Sinne, dass man dort sicherheitspolitisch mehr agieren möchte, dass vielleicht auch die europäischen NATO-Partner ihr Scherflein dazu beitragen und dass es möglicherweise Konzessionen oder Lizenzen geben wird im Bereich Verwertung von Bodenschätzen. Aber, das kann ich Ihnen jetzt schon sagen, das ist sehr aufwendig und sehr teuer. Man hat dann doch immer noch gefrorenes Eis, man kann dort kaum arbeiten, es gibt keine Infrastruktur, keine Zulieferindustrie, kein Personal. Das ist alles ein bisschen Wunschdenken, dass dort viele Bodenschätze wären, seltene Erden, Edelmetalle, Rohstoffe anderer Art, Energieträger. Alles das ist viel, viel leichter in den USA und in Kanada zu fördern, wo die Infrastruktur steht, wo es Versorgungslinien gibt, wo es Wasserleitungen gibt, wo es Strom in ausreichendem Maße gibt etc. etc. Da werden noch Jahrzehnte vergehen. Es wird sich keine Gesellschaft bereitfinden, Bodenschätze in Grönland zu suchen, wenn man es viel preiswerter an anderen Stellen der Erde machen kann. Das ist vordergründig. In Wahrheit geht es ihm ums Prestige. Er möchte Land haben!
epd: Aber er würde insofern recht bekommen, als er erst mal was Unmögliches fordert und dann andere zu Verhandlungen zwingt und am Ende doch irgendeinen Gewinn rausschlägt.
Freund: Man wird ihn nicht abblitzen lassen. Er wird dann irgendeinen Vertrag bekommen, mit dem er sich brüsten kann, was er alles erreicht hat, aber in völliger Verkennung, dass er bereits einen sehr umfänglichen Vertrag hat. Dänemark und damit Grönland kamen unter den Schutzschirm der NATO - dafür haben sich die USA dort sehr weitreichende Rechte gesichert, die sie nie, in keinster Weise jemals ausgeschöpft haben - ganz im Gegenteil. Aber er wird zum Schluss irgendein Postulat hochhalten können.
„'America first' heißt eben nicht 'America alone'“
epd: Dieses Dealmakertum ist ja eins der Dinge, die seine Anhängerschaft fasziniert. Aber wie stellen sich denn die US-Bürger im Ausland nach ihrer Wahrnehmung zu Trumps „Make America Great Again“-Politik (MAGA)?
Freund: Relativ deutlich. Wir sind ja hier in Frankfurt und damit wahrscheinlich in der amerikanischsten Stadt Deutschlands. Wir haben ja hier nicht nur den Flughafen, wir haben hier die amerikanische Handelskammer, wir haben hier die Steuben-Schurz-Gesellschaft, das ist die älteste deutsch amerikanische Freundschaftsgesellschaft. Wir haben den American German Business Club. Das sind alles nicht parteibezogene Vereinigungen und Vereine, und allesamt bestehen sie entweder aus Transatlantikern, die einen starken Amerikabezug haben, sei es durch Schule, Studium oder Arbeit oder sie haben dort drüben Bekannte und Verwandte oder umgekehrt: Amerikaner, die hier arbeiten und die eben über den Tellerrand hinausschauen und sehen, was ihnen vor allen Dingen beruflich Handelspartnerschaft gebracht hat, Sicherheitspartnerschaft gebracht hat, Bündnispartnerschaft gebracht hat. Und da gibt es natürlich eine überwiegende Mehrheit, wie Sie sagen: Fast alle sind, was MAGA-Republicans angeht, doch sehr, sehr zurückhaltend. Also da gibt es Republikaner, es gibt Demokraten. Aber selbst die Republikaner können mit den isolationistischen MAGA-Republicans nicht viel anfangen, weil sie naturgemäß eben gerade in Übersee sind und vom Handel leben. „America first“ heißt eben nicht „America alone“, sondern man braucht eben auch die anderen. Und wenn man 1.000 Militärbasen weltweit betreiben will, dann braucht man eben auch die Bündnispartnerschaft. Das geht nicht ganz allein.