Opposition im Sudan setzt Generalstreik aus
Genf/Khartum (epd). Die Opposition im Sudan hat den Generalstreik im Land für beendet erklärt. Der Ausstand, der das nordostafrikanische Land in den vergangenen drei Tagen lahmgelegt hatte, sei ein Erfolg im Widerstand gegen die regierende Militärjunta, erklärte die Sudanese Professionals Association (SPA) auf ihrer Facebook-Seite. Das Ende des Streiks steht offenbar im Zusammenhang mit neuen Verhandlungen von Opposition und Militärführung über die Bildung einer Übergangsregierung. Beide Seiten würden ihre Gespräche fortführen, sagte der äthiopische Vermittler Mohamoud Dirir laut der Online-Zeitung "Sudan Tribune" vom Mittwoch.
Dirir zufolge kündigte die Militärjunta außerdem an, politische Gefangene freizulassen. Nach unbestätigten Berichten soll das Oppositionsbündnis für Freiheit und Wandel (FDFC) in einer Übergangsregierung den Ministerpräsidenten und acht von 15 Regierungsmitgliedern stellen. Damit wäre eine zentrale Forderung der Opposition erfüllt - eine zivile Mehrheit in der Regierung.
Die staatliche sudanesische Nachrichtenagentur Suna berichtete, Demonstranten hätten damit begonnen, die Barrikaden von den Straßen der Hauptstadt Khartum zu entfernen. Unklar blieb zunächst, ob die hohe Präsenz der berüchtigten RSF-Truppen reduziert wurde. Den RSF wird vorgeworfen, für die brutalen Übergriffe auf oppositionelle Demonstranten verantwortlich zu sein. Seit der Auflösung eines Protestcamps am 3. Juni sind nach Oppositionsangaben 118 Menschen getötet worden.
Der UN-Sicherheitsrat in New York verurteilte die jüngste Gewalt der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten in der Nacht zum Mittwoch und forderte die Einhaltung der Menschenrechte. In der Woche zuvor war eine Verurteilung der Gewalt am Veto Russlands und Chinas gescheitert. Die Afrikanische Union hatte nach dem Blutbad am 3. Juni die Mitgliedschaft des Sudan suspendiert und die umgehende Rückkehr zu einer zivilen Regierung gefordert. Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed hatte sich am Freitag mit Unterhändlern beider Seiten getroffen, um für eine Verhandlungslösung zu werben.
Die RSF-Einheiten bestehen aus ehemaligen Dschandschawid-Milizen, die bereits in der Krisenregion Darfur für schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich waren. Ihr früherer Anführer Mohamed Hamdan Dagalo (auch Hemeti genannt) ist stellvertretender Chef des regierenden Militärrats. Die Armee hatte im April nach monatelangen Protesten der Bevölkerung Langzeitherrscher Omar al-Baschir gestürzt und die Macht ergriffen.