Oberkirchenrätin Hinrichs: Christen sollten für den Frieden streiten

Freiburg (epd). Christenmenschen ist es in besonderer Weise aufgetragen für den Frieden in der Welt zu streiten. "Sie sollten dabei den öffentlichen Konflikt nicht scheuen", sagte Oberkirchenrätin Karen Hinrichs am Mittwochabend beim ökumenischen Gottesdienst zum Buß- und Bettag in Freiburg. 

Mit dem Gottesdienst wurde auch die diesjährige Friedensdekade abgeschlossen, deren Motto "Streit!" lautete. In diesem Zusammenhang erinnerte Hinrichs daran, dass jeder fünfte Mensch in einem Land lebe, das von Gewalt, Krieg und staatlichen Verfall geprägt sei. Vor allem Rüstungsexporte, auch aus Baden-Württemberg, "befeuern im wörtlichen Sinn die gewaltsamen Auseinandersetzungen in allen Konfliktgebieten", sagte die evangelische Theologin, die in der Verwaltungszentrale der badischen Landeskirche in Karlsruhe das Referat Grundsatzplanung und Öffentlichkeitsarbeit leitet. 

Hinrichs betonte, dass vor allem die Angst vor Terroranschlägen oft dazu benutzt würde nach mehr Mitteln für den Verteidigungshaushalt, für Aufrüstung und militärische Einmischung zu rufen. Dieser "Sicherheitswahn" würde jedoch nicht vor Anschlägen schützen. "Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit", habe bereits Dietrich Bonhoeffer im Jahr 1934 gesagt. 

Die Oberkirchenrätin würdigte die Verdienste der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN), der am 10. Dezember der diesjährige Friedensnobelpreis überreicht wird. "Atomwaffen gehören endlich geächtet", sagte sie, so wie bereits biologische und chemische Waffen längst verboten seien. Die jungen Leute, die die Kampagne vor zehn Jahren gegründet haben, hätten ein Ziel gehabt: "Wir wollen euer Spiel um Macht und Status, um Nichtverbreitungsverträge und fehlende konkrete Abrüstung nicht mehr mitspielen". 

So sei es ein "historischer Sieg" gewesen, dass im Juli 2017 in den Vereinten Nationen 122 Staaten sich zusammengeschlossen und einem völkerrechtlichen Vertrag zugestimmt haben, "der Atomwaffen endgültig verbietet und konkrete Schritte bis zu ihrer vollständigen Abschaffung benennt". Es sei "mehr als peinlich", dass sich Deutschland dem Druck der USA gebeugt habe und sich nicht an den Verhandlungen beteiligte, meinte Hinrichs. Es müsse weiterhin Überzeugungsarbeit geleistet werden, dass Atomwaffen endgültig verschwinden.