Neuer alternativer Friedenspreis für Kriegsdienstverweigerer-Netzwerk
Am 1. Oktober erhält die Nato den renommierten Preis des Westfälischen Friedens. Aus Protest haben Friedensaktivisten einen alternativen Preis gestiftet. Der wurde am Freitag an ein Netzwerk für Kriegsdienstverweigerer vergeben.
Münster (epd). Der neue Alternative Westfälische Friedenspreis von Münster und Osnabrück ist am Freitag erstmals verliehen worden. Bei einem Friedensfest auf dem Domplatz in Münster wurde das internationale Kriegsdienstverweigerer-Netzwerk Connection aus Offenbach ausgezeichnet, wie die Veranstalter mitteilten. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.
Die evangelische Theologin Margot Käßmann würdigte in ihrer Laudatio das internationale Engagement des Offenbacher Vereins für junge Menschen, die den Dienst in der Armee verweigern wollen. „Kriegsdienstverweigerung als Menschenrecht, das ist das zentrale Thema von Connection“, sagte Käßmann laut Redetext.
Zudem trete der Verein dafür ein, Kriegsdienstverweigerung und Desertion als Asylgrund anzuerkennen. „Das sind beide in der EU nicht“, beklagte die Theologin. Zugleich kritisierte die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende eine zunehmende Normalisierung des Militärdienstes in Deutschland.
Einsatz für Völkerverständigung und gewaltfreie Konfliktlösungen
Der Verein Connection wurde 1993 in Offenbach am Main gegründet. Die Organisation fördert nach eigenen Angaben Völkerverständigung, Bildungsarbeit für Frieden sowie Toleranz und gewaltfreie Konfliktlösungen auf regionaler sowie internationaler Ebene. So setzt sich der Verein seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine 2022 für russische und ukrainische Kriegsdienstverweigerer und Deserteure ein.
Der alternative Friedenspreis wurde Anfang des Jahres als Gegenentwurf zum Preis des Westfälischen Friedens ins Leben gerufen, der in diesem Jahr an die Nato verliehen wird. Die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen und Lippe will den Preis am 1. Oktober an das Verteidigungsbündnis übergeben, die Laudatio hält Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Die mit 100.000 Euro dotierte Auszeichnung erinnert an den Friedensschluss in Münster und Osnabrück, der 1648 den Dreißigjährigen Krieg beendete.
Die Vorsitzenden des Vereins Alternativer Friedenspreis, Juliane Brüggemann und Rüdiger Sagel, erklärten, Frieden dürfe nicht auf militärische Stärke und Bündnistreue reduziert werden. Der neue Preis solle deshalb zu einer gesellschaftlichen Debatte über den Friedensbegriff beitragen. Er soll alle zwei Jahre verliehen werden.