Neue Rebellenanschläge in Kolumbien

Rio de Janeiro (epd). In Kolumbien ist der bewaffnete Konflikt zwischen Regierung und ELN-Guerilla wieder aufgeflammt. Nach Auslaufen einer Waffenruhe verübten die linken Rebellen am Mittwoch
erstmals seit über drei Monaten wieder Anschläge. Präsident Manuel Santos setzte die Friedensverhandlungen, die am Mittwoch in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito fortgesetzt werden sollten, aus und beorderte seine Verhandlungsdelegation nach Hause.

Nach Angaben der Armee sprengten mutmaßliche ELN-Guerilleros eine Erdölpipeline an zwei Stellen in die Luft. Die Beförderung des Öls in den westkolumbianischen Bundesstaaten Arauca und Boyacá nahe der Grenze zu Venezuela musste eingestellt werden. Ebenfalls in Arauca wurden bei einem bewaffneten Überfall auf einen Militärposten zwei Soldaten verletzt, wie der Hörfunksender RCN auf seiner Internetseite berichtete.

Präsident Santos verurteilte die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen durch die Guerilla scharf. Seine Regierung habe alles daran gesetzt, die Waffenruhe zu verlängern. Doch auch die Guerilleros müssten "Friedenswillen zeigen und konkrete Schritte unternehmen", erklärte Santos. "Nur Worte reichen nicht aus." Der Staatschef wies die Streitkräfte an, "angemessen" auf die Übergriffe zu reagieren. 

Die vor gut hundert Tagen vereinbarte Waffenruhe zwischen der Regierung und der ELN-Guerilla war in der Nacht zu Mittwoch ausgelaufen. Trotz Appellen der Vereinten Nationen, der katholischen Kirche und vieler prominenter Kolumbianer gelang keine Einigung auf eine Verlängerung der Waffenruhe.

Die Feuerpause zwischen Regierung und Guerilla, die zu einem deutlichen Rückgang von Gewalttaten in den Regionen mit ELN-Präsenz geführt hat, war das bisher wichtigste Ergebnis der Friedensverhandlungen, die vor knapp einem Jahr begannen. Mit der größeren Farc-Guerilla hatte die Regierung bereits im Dezember 2016 einen umfassenden Friedensvertrag unterzeichnet.

In den nun ausgesetzten Friedensverhandlungen sollte es unter anderem um eine Beteiligung der Zivilgesellschaft am Friedensprozess sowie um Sozialpolitik und Armutsbekämpfung gehen. Auch der Umgang mit den Opfern des Krieges und die Umwandlung der Guerilla in eine legale politische Organisation standen auf der Tagesordnung.

Der Konflikt zwischen der Regierung, mehreren Rebellengruppen und paramilitärischen Todesschwadronen hatte sich in den 60er Jahren an Landkonflikten und sozialer Ungerechtigkeit entzündet. Seither wurden etwa 340.000 Menschen getötet, mindestens sieben Millionen Kolumbianer wurden vertrieben.